Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Aus meiner Knabenzeit
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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190 die Worte ausbrechen: Spinotze ימ״ש, d. h. Spinoza, sein Name werde vertilgt! Der Knabe erschrak, nicht über Spinoza, von dem er noch nie etwas gehört hatte, aber über den Fluch, der im Volke nicht unbekannt war. Hieran mutzte ich mich unwillkürlich erinnern, als ich später in meinen literar-historischen Vorlesungen den Satz prägte: Spinoza war'kein jüdischer Denker, aber ein denkender Jude. Bald nach meiner Bar-Mizwah (im Jahre 1846) übergab mir mein Vater einen Teil seiner hebräischen Privatstunden, wodurch ich im Stande war, mitzuhelsen und das kärgliche Jahresgehalt von 110 Talern zu ergänzen. Ich kostete schon früh die Bitterkeit der häuslichen Sorgen; aber sie hat mich für die Folgezeit gestählt und mich die biblische Wahrheit erkennen lassen: ״Gütig ist Gott dem Manne, Wenn er das Joch in seiner Jugend trägt." Von da ab, alle Zeiten und Jahre hindurch, galt mir als hohes Ziel: ״Lehrend zu lernen und lernend zu lehren."