Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Aus meiner Knabenzeit
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
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— 170 hoffte man für das Jahr 1810, welches in dem y״pn°b1a8& (nämlich mit der großen Posaune) angedeutet sei. Auf die Pessach-Nacht sollte man sich besonders bereit halten. Es trete da eine besondere Gnadenzeit an, die niemand verschlafen dürfe. Die große Posaune wird erschallen, den Elia verkünden usw. Allerdings, so oft die Erwartung getäuscht wurde, stellte man neue Berechnungen für weitere Jahre an — bis für das Jahr 1840 hin. Der Sturz Napoleons im Jahre 1812 ries eine solche Berechnung hervor, die aus dem Schriftverse im 4. Buch Moses 24, 24 sich ergeben sollte 1). Gelegentlich sei bemerkt, daß damals Rabbi Akiba Eger in Märkisch-Friedland bei der Nachricht von dem Sturze Napoleons eine Predigt hielt, für die er den Text aus Psalm 92,8 nahm: Wenn aufblüh'n die Frevler wie Gras, und sprossen alle Uebeltäter — daß sie getilgt werden auf ewig! Im Jahre 1815 wurde das Herzogtum Warschau ausgelöst und aus einem Teil der zu Südpreußen gehörig gewesenen Distrikte eine besondere Provinz unter dem Namen eines Großherzogtum Posen gebildet. Der hierauf erfolgte Uebergang in die preußische Verwaltung bot mehrfach die Veranlassung, auch die gesetzliche Stellung der Juden zu ordnen. Für die jüdischen Unterrichtsverhältnisse, die in den archivalischen Forschungen Warschauers ebenfalls berücksichtigt sind, möchte ich noch einige Fingerzeige geben. Zuvörderst sei darauf hingewiesen, daß Moses Mendelssohn als der erste Sprachlehrer auch für die Juden im preußischen Landesgebiete zu betrachten ist. Wenn auch seine Pentateuch-Uebersetzung von verschiedenen Seiten angefeindet wurde, so drang doch ״Moscheh Dessers Datsch", womit man, bezeichnend genug, die deutsche Sprache überhaupt verstand, in manche Kreise des Volkes, für die man sogar eine Art Glossen über einzelne ״hoch- *)Es liegen nur mehrere Bände solcher Homilien in Manuskript, namentlich des Rabbiners Joel Asch in Schönlanke, aus den Jahren 1788 — 1812 vor. Mer ihn und seine Familie werde ich anderweitig nähere Nachrichten geben.