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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 167

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Aus meiner Knabenzeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 167 (sequence 3)
Language
German
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167 der Hagada anreihte, um dann unter großem Applaus mit dem Halle! zu schließen. — Weniger von dieser Gelegenheitsrede, Wohl aber von seiner Redseligkeit über- Haupt, führte er noch in meiner Kindheit die Bezeichnung: Reb Hirsch Plapperer. — Mit dem Eintritt der südpreußischen Regierung wurde ein Wendepunkt zum besseren begrüßt, die Erlösung von der polnischen Mißregierung und der Beamtenwillkür, eine freiheitliche Entwickelung überhaupt, erwartet. Auch von jüdischer Seite nährte man Hoffnungen auf die Feststellung eines gesetzlichen Zustandes für die Verhältnisse der Juden. Diese Hoffnungen gingen nicht ganz fehl, zum Teil wurden sie in dem unterm 17. April 1797 erlassenen General-Juden-Reglement erfüllt. Dieses nach den damaligen Verhältnissen höchst freisinnige Gesetz enthält u. a. zum ersten Male nähere Bestimmungen über die Gründung jüdischer Schulen und über den in diesen zu erteilenden Unterricht. Interessant ist 8 15 der Verordnung, welcher lautet: ״Weil die Töchter nicht so vielen wissenschaftlichen Unterrichts als die Söhne bedürfen, so sollen sie dagegen in ihren Schulen außerdem zum Nähen, Spinnen, Stricken, Knüppeln und andern nützlichen weiblichen Arbeiten, von darin geschickten Frauenspersonen angeführt werden." Nicht unerwähnt darf hier eine der ersten Verfügungen bleiben, welche die neue Regierung in einer Ministerial- Entscheidung unterm 7. November 1793, und zwar nach Ob ersitzko gerichtet hat. ״Die christlichen Schneider dieser Stadt hatten sich nämlich über die Eingriffe der Judenschneider in ihr Handwerk gegen klaren Inhalt des ihnen erteilten gutsherrlichen Privilegii beschwert." Aus dem Bescheide ist folgender Satz hervorzuheben: ״Übrigens würde es hier sehr wünschenswert sein, wenn die Juden mehr auf Gewerbe als auf die Handlung sich gelegt hätten, und wenn ihnen nun letzterer Nahrungszweig verboten oder die Gewerke sie nicht annehmen wollten, würden sehr viele entweder verhungern oder Spitzbuben werden müssen." Die jüdischen Schneider waren bei den Gutsbesitzern sehr beliebt. Sie arbeiteten auf dem Lande

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