Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5672
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111098-3115981--4283-3116018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sückblkk aujf da^ g|al|r 56 f*2 Von Martin Philipps»«. ®as verflossene Jahr stand für unsere Glaubensgenossenschaft in Deutschland unter dem Zeichen der Hundertjahrfeier der Emanzipation der preußischen Juden. Freilich bedeutete das Edikt. von 1812 lediglich ein Programm: es ist niemals zur vollen Ausführung gelangt, und schon derselbe König, Friedrich Wilhelm „der Gerechte", der es erteilte, hat sich nicht gescheut, es zum Nachteile seiner jüdischen Untertanen zu verletzen; noch heute sind einige seiner Bestimmungen toter Buchstabe geblieben. Aber die Hauptsache war und ist, daß es die Juden aus blos geduldeten Fremden zu freien und berechtigten Staatsbürgern erhob, daß es sie als einen Bestandteil des preußischen Volkes anerkannte, daß es sie innerlich den christlichen Mitbürgern für gleichwertig erklärte. Und diese Errungenschaft hat uns keine Reaktion, keine Frömmelei, kein Rassenfanatismus wieder rauben können. Freilich um die Verwirklichung der Gleichstellung im einzelnen müssen wir noch immer, noch nach einem Jahrhundert mühsam ringen. In keinem anderen Lande, wie im Reiche der frommen Sitte und der deutschen Treue, wird uns gegenüber das verfassungsmäßige Rechtmit so vieler Unaufrichtigkeit und Hinterhältigkeit verletzt, wie in Deutschland unter preußischer Führung. Das wichtigste Verlangen ist die endliche Wiederzulassung der jüdischen Soldaten zur Beförderung, vorzüglich zum Offiziertum. Es ist düs nicht allein eine Forderung der theoretischen und persönlichen Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Existenz für