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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 7

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Rückblick auf das Jahr 5671
Date
1912-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 denen die militärischen Behörden aller Instanzen ihr antisemitisches Vorgehen beschönigen. Die seit vielen Jahren wiederholten und mit einem Uebermaß von Beweisen versehenen Vorstellungen an Reichstag und Kriegsminister haben nicht das mindeste geholfen, und zwar aus dem einfachen Grunde, daß der Kriegsminister garnicht die Macht hat, auf die einzelnen Offizierkorps bei der Vorbereitung und derWahl zum Reserveoffizier einzuwirken. Helfen könnte hier einzig und allein eine direkte Eingabe an den Kaiser, wie dies ein früherer Kriegsminister dem „Verbände der deutschen Juden" klipp und klar, aber leider ohne Erfolg, dargetan hat. Nur dieser Schritt gibt die Möglichkeit des Gelingens. Wird er nicht unternommen, so können wir ungezählte Entrüstungsmeetings veranstalten, unaufhörliche Beschwerden bei Reichstag und Kriegsminister einreichen — die betreffenden militärischen Instanzen lachen nur darüber und bestärken sich um so mehr in ihrer antisemitischen Handlungsweise. Und doch übt diese Frage den größten Einfluß auf die soziale, ja ökonomische Stellung der Juden aus. Weil die Offiziere solche nicht unter sich dulden, wollen andere Körperschaften sie gleichfalls nicht ausnehmen. Nurso erklärt sich auchdie schmähliche Zurückweisung jüdischer Praktikanten bei einzelnen Krankenhäusern nichtkonfessioneller Art. Auch hier konnte keine Abhilfe geschafft werden, und die preußischen Regierungsbehörden jeglichen Grades erklärten zwar grundsätzlich das Auftreten jener Krankenhausleiter für verwerflich, sich selber aber zur Abhilfe achselzuckend für nicht berechtigt. Vergeblich wandten sich sämtliche preußische Aerztekammern mit Bitte um Remedur an das Ministerium — den reaktionär-antisemitischen Kreisen gegenüber wagt dieses nicht einzuschreiten. So geht es in dem „Rechtsstaat", dem „Kulturstaat" Preußen zu. Trotz der klerikalen Richtung, die jetzt in der Regierung Bayerns vorherrscht, und die den Juden, besonders auf dem Gebiete des Unterrichtswesens, mancherlei Beschränkungen bringt, ist dort die Gesinnung viel weniger antisemitisch, als im Norden unseres Vaterlandes. Ein

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