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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 260

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Amhoorez
Date
1910-01-01
Page
Seite 260 (sequence 49)
Language
German
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262 Gin Mittagessen beim Vorsteher. Der Lehrer war heute beim Vorsteher Linder zum Mittagessen eingeladen. Die Frau des Hauses begrüßte ihn mit den Worten: „Ausgezeichnet, Herr Lehrer! — Die ganze Gemeinde, vor allem mein Mann ist ganz begeistert von Jhrenr Chor! Sie könnten von der Gemeinde fordern, was Sie wollten, man würde Ihnen nichts ab sch lagen!" Herr Linder fürchtete, der junge Lehrer könnte diese Aufmunterung benutzen, um eine Erhöhung seines kärglichen Gehalts zu fordern, und brachte die Sache wieder ins Gleichgewicht durch seine Bemerkung: „Der Herr Lehrer weiß allein, was er leistet, und braucht unser Lob nicht. So eine Sache läßt sich überhaupt nicht mit Geld bezahlen!" Beim Gänsebraten trank man auf das fernere Gedeihen des Chors, der zu den Herbstfeiertagen eine größere Anzahl von Gesängen vortragen sollte. Bei der Mandelspeise brachte Frau Linder noch einen Wunsch an. Ob der Lehrer nicht die Stelle abändern möchte, die vom Stammeln des Kindes handle! Die jungen Mädchen geniere es im allgemeinen, vom Stammeln „meines" Kindes zu singen, und sie geniere diese Stelle, weil ihr Emilchen beim Sprechen ein wenig anstoße. Die Frau Gappe hätte ihr gleich nach dem Gesänge deswegen einen Stich versetzt und gesagt, ihre Kinder stotterten nicht. Der Lehrer meinte, diesmal ließe sich das nun nicht mehr ändern. Aber bis zum nächsten Jahre könnte man sich das ja überlegen. Da erbot sich Frau Linder, das Lied ihrem Vetter, Herrn David Klangreich, der in der Nähe von Wien wohne, einzuschicken. Der sei ein großer Dichter und werde das gewiß aufs beste besorgen. Und zum Beweise, was ihr Vetter in der Poesie leisten könne, brachte sie ihr Stammbuch und las die Verse, die ihr der Herr David Klangreich einst gewidmet hatte, vor. Hier sind sie:

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