Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Mitgliedern verleihe. Er sei als erster und einziger Jude in den Verein ausgenommen worden und schätze sich das zur besonderen Ehre. Als Wolf Aron diese Ehre nicht genügend zu würdigen schien, wollte der junge Mann ihm das verständlicher machen und erzählte, wie der Bürgermeister diesen Verein geradezu als vorbildlich hingestellt habe. Als nämlich der sozialdemokratische Verein „Recht und Freiheit" gegründet wurde, wäre der Herr Bürgermeister sehr ungehalten gewesen und hätte gesagt, sie sollten lieber alle zum „Blauen Dunst" gehen. Natürlich fühlten sich die Mitglieder des „Blauen Dunst" sehr geehrt und seien entschlossen, den Herrn Bürgermeister zum Ehrenmitgliede zu ernennen und ihm eine Ehrenpfeife zu stiften, zu der die Damen nur noch das Band mit Widmung zu sticken brauchten. Wolf Aron hörte die Erzählung des jungen Mannes ruhig und ohne ein Wort der Entgegnung an. Das ermutigte diesen nun: „Wissen Se was, ich werd' Ihnen auch in den Verein einführen. Sie sollen dann der zweite Jude sein, der die Ehre hat, Mitglied im „Blauen Dunst" zu sein." „Geih, Wus sollen mir de Narischkeiten!" war die abweisende Antwort. Das war nun freilich etwas hart und für soviel Aufopferung auch undankbar, und der junge Mann entgegnete denn auch gekränkt, das seien nicht Narrheiten, das sei bitterer Ernst, und er sei im „Blauen Dunst", in dem die besten Familien der Stadt vertreten seien, gewissermaßen der Pionier für die volle Gleichberechtigung der Juden, die auch in ihrer Stadt vorläufig nur auf dem Papier stünde. Nun kamen die Verhältnisse in der Gemeinde zur Sprache, und hier hörte Wolf Dinge, die sein Interesse inehr in Anspruch nahmen als der „Blaue Dunst" seines Begleiters. Abram Leiser wollte ihm beweisen, daß er trotz seines Eintritts in den „Blauen Dunst" doch ein guter Jude geblieben sei, und erzählte, daß er ohne weiteres