Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Talmud als Bildungsmittel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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168 monate in der glücklichsten Weise erreicht, sodaß Ver- Wirrungen, wie sie im julianischen Kalender an der Tagesordnung waren, im jüdischen bis auf dem heutigen Tag nieinals eiugetreten sind. Und der Amoräer, den diese Forschungen ganz besonders beschäftigen,. Samuel, durfte von sich sagen, daß die Bahnen des Himniels ihm so bekannt seien, wie die Straßen seiner Heimatsstadt Nehardea. Einander es Gebiet, das in der Gemara eingehende Behandlung findet, ist die pathologische Anatomie des Tieres. Auch hier haben praktische religiöse Bedürfnisse die naturwissenschaftliche Forschung angeregt. Unser Religionsgesetz verbietet uns den Genuß eines Tieres, das ״trepho" ist. Trepho, wörtlich übersetzt ״zerrissen", ist aber ein Tier dann, wenn es mit einer schweren Krankheit belastet ist, so daß es nicht länger leben kann. Der Talmud muß daher die verschiedenen Krankheitszustände prüfen, um festzustellen, in welchen Fällen das Fleisch eines Tieres noch gegessen werden darf. Der dritte Abschnitt des Traktats Chullin, der diese Fragen behandelt, wird so in seiner Art zu einem Abriß der Krankheitslehre des Tieres. Ganz besonders der Untersuchung der Lunge wird die größte Sorgfalt gewidmet. Die erste Mischna des erwähnten Abschnittes beginnt folgendermaßen: ״In folgenden Fällen ist ein Tier nicht mehr lebensfähig: wenn die Speiseröhre durchbohrt oder die Luftröhre abgerissen ist, wenn in der Hirnhaut oder im Herzen bis in die Herzkammer hinein ein Loch sich findet, wenn die Leber gänzlich fehlt, wenn die Lunge durchlöchert ist, oder ein Teil daran fehlt, wenn im Magen, in der Gallenblase oder im Dünndarm ein Loch sich zeigt, wenn der größere Teil der Nippen gebrochen ist, oder wenn ein Wolf auf das Tier eingehauen hatte. Die Regel ist: was unter ähnlichen Umständen nicht leben kann, ist trepho." Die Gemara bringt dann im Anschluß an die Mischna eine reiche Kasuistik und eine Fülle von Beobachtungen. Was hier in Form einer Gesetzesbestimmung erscheint, ist die Frucht gewissenhafter Untersuchungen am lebenden und