Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Talmud als Bildungsmittel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 1)
- Language
- German
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Von Rabbiner Dr. jur. Max Eschelbacher-Bruchsal. Sjim 30. September 1907 hielt der Verein für Sozialdäs Politik in Magdeburg eine Generalversammlung ab. Gegenstand der Beratung war die berufsmäßige Vorbildung der wirtschaftlichen Beamten, der Handelskammersekretäre, der Syndici und ähnlicher Berufsstände. In der Diskussion erklärte Professor Knapp in Straßburg, ein bekannter Nationalökonom: ״Wir'Professoren bilden keine zukünftigen volkswirtschaftlichen Beamten aus, sondern wir lehren unsere Hörer die Kunst des nationalökonomischen Denkens und Arbeitens. Die Nationalökonomie kann allein dazu nicht verhelfen, der Student muß vielmehr eine allgemein logische Schulung erhalten, die er auf verschiedene Weise erlangen kann. Ich habe einmal einen Rabbiner geprüft, der sie durch den Talmud erworben hatte. Ich bin weit entfernt, die obligatorische Einführung des Talmudstudiums zu empfehlen, aber irgendwie muß das Denken geschult werden, durch die Philosophie, die Mathematik, die Jura/' Gänzlich unbefangen, ILM לפי CPdö, wie der Talmud in ähnlichen Fällen sagt, hat Knapp hier ein Urteil über den Talmud abgegeben, und er hat sich dabei nur auf ein einziges Erlebnis gestützt. Aber was er ausführte, das steht im Einklang mit alter jüdischer Praxis, denn von jeher, und säst bis auf unsere Tage ist der Talmud eine der ergiebigsten Bildungsquellen für jeden Juden gewesen, der Geist und Herz entwickeln wollte, und immer galt er als ein Erwecker geistigen Lebens. Es