Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Moritz Veit
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Er war eifervoll und duldsam. Denn wenn er. auch für die Grundsätze, die ihm fest eingegraben waren, mutig stritt, so ließ er sich in der Hitze des Kampfes nicht zu einer Verunglimpfung, nicht zu schnöder Herabetzung der Gegner hinreißen, sondern behandelte sie in einer vornehmen Art als Wanderer, die ihren Weg verfehlten. Und so war ihm, schon weil er diese Verfehlungen weder für dauernde noch für absichtliche erachtete, während des Kampfes nie bange; selbst nach einer Niederlage bemächtigte sich seiner keine Verzweiflung. Er lebte, wie er einmal in einem stimmungsvollen Gedichte ausdrückte, stets in der Erwartung und mit der Absicht „den Lenz im Winter zu gewinnen." In der Paulskirche, in der er als tüchtiger Arbeiter die allgemeinen Angelegenheiten mit beriet, ohne als Redner in öffentlichen Versammlungen zu glänzen, schrieb er einmal den Satz nieder: „Wenn wir die Einheit des Vaterlandes werden begründet haben und dann darüber Nachdenken, welche Kräfte durch Gefahr und Jrrsal uns endlich doch zum Siege verholfen haben, .so werden wir uns sagen dürfen: der Glaube an den Sieg hat uns zunächst zum Siege verholfen." Der Glaube, der Andere demütig und still ergeben macht, der ihnen vielleicht anrät, die Hände in den Schoß zu legen und den Erfolg einem Höheren zu überlassen, rief ihn zu neuem Streben und erfüllte ihn mit der Gewißheit des Erfolges. Er gab ihm die schönen poetischen Worte ein: Hat auch der Tod gelichtet Die dichten Freund esreihn. Wir wollen aufgerichtet Und still geschäftig sein. Wir rücken eng zusammen, Daß warm und wohl uns sei. Des Heiles lichte Flammen Wir glauben sie herbei.