Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Esra
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 21)
- Language
- German
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zweiten Erscheinen in Jerusalem nicht gänzlich beseitigt worden. Esra aber kämpfte weniger gegen den äußeren als den inneren Feind des Volkes: seine Unwissenheit, in der er die Quelle aller seiner Verirrungen erblickte? Er führte Israel daher an die lebenspendende Quelle der von Moses und den Propheten überkommenen Lehre, und umgab es so mit einer unzerstörbaren Mauer, die ihm nach dem Verlust der nationalen Selbständigkeit in allen Lagen des Lebens und Ländern der Welt als Schutz und Zuflucht diente. Nur war Esra äußerst bescheiden, der im Gegensatz zu Nehemia x) nie seine Verdienste um die Sache selbst erwähnte und Gott auch nicht anflehte, daß er sie ihm anrechnen möchte. Spätere Geschlechter ' aber sahen in seiner Bescheidenheit seine eigentliche Geistesgröße, erkannten dankbar den Segen seiner Wirksamkeit an und sagten von ihm: Er war würdig, Israel die Gotteslehre zu offenbaren, nur war Moses ihm zuvor gekommen 2). Weder das Geburtsnoch das Todesjahr dieses auf eine gleiche Stufe mit Moses gestellten Mannes ist bekannt. Nach einer Überlieferung soll er am neunten Tebet gestorben und in Jerusalem bestattet worden sein. Sein Name lebt jedoch im Herzen des jüdischen Volkes fort, und noch heute wird alljährlich in unseren Gotteshäusern am zehnten Tebet seiner in einer Slicha mit den Worten gedacht: Am neunten Tebet wurde entrissen unser Schmuck und unsere Krone, der Schriftgelehrte Esra, dessen Worte so lieblich klangen. *) Sanhedrin 93 b. *) Jbid 21 b.