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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 71

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Esra
Date
1910-01-01
Page
Seite 71 (sequence 4)
Language
German
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71 scheint sich von der Verschmelzung mit fremden Elementen fern gehalten und ihre warnende und mahnende Stimme gegen den gottlosen Lebenswandel der Reichen und Treulosen erhoben zu Habens. Allein sie befanden sich in der Minderheit, waren arm und wahrscheinlich auf die Unterstützung der besitzenden Klaffe angewiesen, während diese, auf ihren Besitz und ihre Macht pochend, keine andere Autorität als die eigene anerkannte und auf keine andere Stimme als auf die ihres selbstsüchtigen Herzens hörte. So tief war das auf heimatlichem Boden sich befindende Volk in ungefähr siebzig Jahren seit der Erbauung des zweiten Tempels gesunken. Die Exulanten in Babylon, obwohl räumlich vom heiligen Tempel in Jerusalem getrennt, von einer ihnen völlig fremden Bevölkerung umgeben, lebten streng nach den Vorschriften der überkommenen Lehre, heirateten nur untereinander und sahen in der Pflege der hebräischen Sprache das Band, das sie mit den in die alte Heimat zurückgekehrten Stammesgenossen vereinigte. Diese aber hatten in ihrer Kurzsichtigkeit das Band der Sprache, das alle Wieder des jüdischen Volkes in Nah und Fern umschlingen sollte, gelöst, die Treue zu den Töchtern ihres Volkes gebrochen, waren in die Gesetz- und Sittenlosigkeit der sie umringenden und umwerbenden Völker verfallen und wären in diesen bald gänzlich aufgegangen, wenn nicht aus Babylon plötzlich ein Mann mit eiserner Faust erschienen wäre, der seine ganze Tatkraft daran setzte, sie aus dem Schlamm der Gesinnungslosigkeit empor zu ziehen und zur Pflichttreue, Einsicht und Selbsterkenntnis zurück zu führen. Dieser Mann, den der Prophet Maleachi als einen Gesandten des Herrn bezeichnet hatte,* 2) war der Schriftgelehrte Esra. -z- * * x) Grätz, Bd. II, 2, S. 120. 2) Maleachi 3, lf Siehe Toldoth Israel von Jawetz, Bd. HI, Note 9.

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