Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Esra
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 2)
- Language
- German
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69 Diese vornehmen Geschlechter, wie auch eine .ansehnliche Anzahl von altadeligen Priester-Familien, die bis dahin die alleinigen Träger und Verkünder der Lehre waren, entschlossen sich zu einem Schritt, der in der Folgezeit die schlimmsten Verwickelungen herbeiführte. Das Band des Blutes erschien ihnen als sicherste Bürgschaft für eine gesicherte Zukunft des Volkes. Sie bemühten sich daher, mit den Nachbarvölkern neben den freundschaftlichen auch verwandschaftliche Beziehungen zu unterhalten. So kamen allmählig zahlreiche Mischehen zustande, nicht bloß mit den Samaritanern, die als judäische Proselyten wenigstens dem äußeren Scheine nach dem Götzendienst abhold waren, sondern auch mit den götzendienerischen Ammonitern und Moabitern, deren Aufnahme in die jüdische Volksgemeinschaft das mosaische Gesetz streng verbietet *). Die traurigen Folgen dieser vielleicht gut gemeinten aber vom mosaischen Gesetz als verderblich für den jüdischen Volkskörper bezeichneten Bestrebungen, blieben nicht aus. Es entstand nach und nach ein neues Geschlecht, das von nichtjüdischen Müttern geboren und erzogen, auch deren Sitten und Lebensgewohnheiten für die alleinrichtigen hielt. Die Keuschheit und Sittenstrenge des jüdischen Volkes waren ihm fremd, es huldigte zwar nicht direkt dem Götzendienst, aber es betätigte auch nicht den Glauben an den Gott Israels durch die Ausübung seiner Gebote. Es entweihte öffentlich den Sabbat und redete eine fremde, aus chuthäischen und aramäischen Bestandteilen zusammengefügte Mundart. Und noch nach einer anderen Richtung machten sich die verderblichen Folgen dieser Assimilationsbestrebungen bemerkbar. Seit der Erbauung des Tempels trafen fast alljährlich kleinere Gruppen babylonischer Exulanten in Jerusalem ein. Sie waren gewöhnlich von ihren Frauen begleitet, die ebenso wie ihre Männer von Liebe und Sehnsucht nach Jerusalem gedrängt und getragen, sich l) Deuter 23, 4. Grätz Bd. II, 2, S. 120 schreibt: bis zum zehnten Geschlecht; das ist ein Irrtum.