Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Ergebnisse geblieben. Immer mehr wird das Dunkel, das bisher die geonäische Zeit eingehüllt hat, gelichtet; eine Lücke in der jüdischen Geschichte wird allmählich ausgefüllt. Sehr verdienstvoll sind auf diesem Gebiete die Bemühungen S. Posnanskis in Warschau, der die karäische Epoche, die Zeit, in der innerhalb des Judentums eine große Bewegung vor sich ging, vorzüglich beherrscht. Mag es zu bedauern sein, daß er uns noch immer nicht eine zusammenhängende Geschichte jener Zeit gegeben hat, so sind jedenfalls seine monographischen Arbeiten zu verzeichnen. Er schrieb in hebräischer Sprache eine gründliche Abhandlung über den eigenartigen rationalistischen Bibelausleger Chiwi aus Balch, dessen Kühnheit seiner Zeit Saadja Gaon und Abraham ibn Esra heftig bekänipft haben; ferner eine Studie über die „Kairuvaner" und eine „Studie zur geonäischen Epoche" (I. Heft). Man hatte früher angenommen, und sogar S. L. Rapaport vertrat diese Ansicht, daß die babylonischen Lehrer den palästinischen Talmud fast garnicht gekannt und noch weniger benutzt hätten. I. H. Weiß ist dieser Meinung entgegen getreten, und jetzt ist das Gegenteil unwiderleglich festgestellt. Posnanski gibt in dieser gründlichen Studie auf 25 Seiten Zitate des palästinischen Talmuds in geonäischen Werken verschiedener Art an. Außerdem erschien von ihm in englischer Sprache eine Abhandlung über die karaitischen literarischen Gegner des Gaon Saadja. Ferner ist auf diesem Gebiete zu verzeichnen, eine Abhandlung in hebräischer Sprache von I. Markon; „Texte und Untersuchungen auf dem Gebiete des karäischen Ehegesetzes", nach handschriftlichen Quellen. Von den bibelexegetischen Leistungen jener Epoche, handelt der arabische Kommentar zum Buche Jeremia des Jehuda ibn Bal'am, den I. Jsraelsohn veröffentlicht hat. — Kritische Ausgaben der „Scheiltot" des Gaon Achat unternahmen B. Kaplan und A. Kaminka. Ein sehr wichtiger Punkt im religiösen Leben ist unsere Liturgie, deren Erforschung sich die ersten Begründer der Wissenschaft des Judentums: Rapaport, Zunz und Luzzatto, mit so großem Eifer hingegeben haben. Sie