Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 1)
- Language
- German
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Von A. Hebriius. f or fünfundsechzig Jahren schrieb Zunz in seiner lapidaren Schreibweise die Worte nieder: „Dieses stets unbeschützte (jüdische) Schrifttum, nie bezahlt, oft verfolgt, dessen Urheber nie zu den Mächtigen der Erde gehörten, hat eine Geschichte, eine Philosophie, eine Poesie, die es anderen Literaturen ebenbürtig machen; werden, dies zugegeben, nicht die jüdischen Autoren und die. Juden überhaupt alsdann das Bürgerrecht des Geistes erlangen müssen? Muß dann nicht aus dem Born der Wissenschaft Humanität sich unter das Volk ergießen, Verständigung und Eintracht bereitend? Die Gleichstellung der Juden in Sitte und Leben wird aus der Gleichstellung der Wissenschaft des Judentums hervorgehen" (Zur Geschichte und Literatur S. 21). Als Zunz diese Worte im Jahre 1845 in die Oesfentlichkeit schickte, befand sich die von ihm mitbegründete Wissenschaft des Judentums trotz mancher grundlegenden Schrift, die aus diesem Gebiete bereits vorhanden war, noch im Anfangsstadium ihrer Entfaltung und Entwicklung. Die Wissenschaft des Judentums beginnt nicht, wie vielfach irrtümlich behauptet wird, mit Zunz und Rapaport; denn ihre Anfänge datieren um mindestens acht Jahrhunderte zurück. Aber Zunz war einer der Ersten, vielleicht der Erste, der mit klarem Ziel vor Augen daran ging, die Wissenschaft des Judentums aus dem Ghetto zu befreien und sie den andern Wissenschaften ebenbürtig zu machen.