Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5669
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 13)
- Language
- German
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24 - ist, ein erst neununddreißigjähriger Mann, der freilich zu den befähigtesten Leitern der liberalen Partei gezählt wird. Nicht anders verhielt es sich in dem anderen großen angelsächsischen Staatswesen, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika.. Die Wahlen zum Kongreß der gesamten Union sowie zu den Volksvertretungen und Richterstellen in den einzelnen Staaten sind vielfach auf Juden gefallen, die sich also offenbar der Gunst und des Vertrauens ihrer Mitbürger erfreuen. Der neue Präsident der Union, Taft, ist nicht minder ein Freund der Gleichberechtigung, als sein Vorgänger Roosevelt. Er hat den früheren Handelsminister Oskar S. Straus zum Botschafter in Japan und, als dieser die Stellung ablehnte, in Konstantinopel ernannt, wo Straus, schon zweimal das gleiche hohe Amt verwaltet hatte. Seine erneute Sendung nach der türkischen Hauptstadt beweist, mit welchem Erfolge er dort zum Besten seines großen Vaterlandes tätig gewesen ist. Eine hervorragende Stellung nimmt auch ein jüdischer Seemann Nordamerikas ein: Adolf Marix Der Kongreß hatte ihn zweimal durch ein besonderes Gesetz außer der Tour befördert, und zwar „in Anerkennung seines hervorragend heldenmütigen Verhaltens in zwei Feldzügen". So stieg er zu der Würde eines Admirals aus und wurde im Herbst 1908 mit dem Befehl über die wichtigste Flotte 1 der Union, das Atlantische Geschwader betraut. In Deutschland hätte er. nicht einmal Schiffsfähnrich werden können. Auf demjenigen Teile der amerikanischen Flotte, der im vergangenen Jahre die Fahrt um die Welt ausführte, gab es auch einhundert jüdische Seeleute, von denen ein Teil den Judenvierteln von New- Aork und Chicago entstammte. Diese Jünglinge aus dem Osten sind freie und mutige Bürger des neuen, hochherzigen Vaterlandes geworden. Kehren wir aber nach dem Osten zurück, so dürfen wir mit Genugtuung feststellen, daß in Serbien und Bulgarien die staatsbürgerliche Stellung der Juden wenig' zu wünschen übrig läßt. In Bulgariens Hauptstadt, in Sofia, wohnten König und Königin, die Minister