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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 22

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Rückblick auf das Jahr 5669
Date
1910-01-01
Page
Seite 22 (sequence 11)
Language
German
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erkannt, so bedrohlicher Gestaltung der Verhältnisse gegenüber endlich die Israeliten des Kaiserstaates zu einmütigem Widerstande zusammenzuschließen. Sie beriefen auf den 4. Mai 1909 einen Bundestag der jüdischen Gemeinden Oesterreichs, dem sie den „Entwurf zur Schaffung einer, autoritativen Gesamtorganisation" — entsprechend dem Verbände der deutschen Juden — vorlegten. Allein das löbliche Streben ist an dem Widerstande der extrem Orthodoxen, zumal Galiziens, gescheitert. Und doch sollten gerade die galizischen Juden die Notwendigkeit enger Vereinigung und gegenseitiger Unterstützung fühlen. Infolge teils des Judenhafses des dort allmächtigen Polnischen Adels, teils auch der gesamten ökonomischen Richtung unserer Zeit, den Kleinhandel durch das Genossenschaftswesen zu ersetzen, werden die Erwerbsverhältnisse der dortigen Israeliten immer schwieriger. Von den 800000 Juden Galiziens verdienen ihren Unterhalt nur 270000, also nur ein Drittel; alle übrigen leben von den Almosen dieses Drittels, während bei den Christen drei Fünftel Erwerbende sind. Physisches und moralisches Elend — Hunger, Entkräftung, verzehrende Jagd nach dem Bissen Brot, Betrug, Bettel, gänzliche Unbildung — ist die unausbleibliche Folge dieser traurigen materiellen Zustände. Dabei beeinträchtigen die polnischen Behörden die Israeliten nach Möglichkeit. Sie lassen jüdische Schüler nur in ganz geringem Prozentsätze zu den Gymnasien zu; die Gerichte unterstützen die Klostergeistlichkeit bei der Entführung und Taufe jüdischer Mädchen gegen den Willen der Eltern. Und da widersetzt sich die Mehrheit der galizischen Juden noch dem Streben nach Einigung aller österreichischen Israeliten zur Abwehr der feindlichen Eingriffe und zur inneren Kräftigung und Stärkung! Auch in Ungarn macht unter der Herrschaft der nationalistisch-adlig-klerikalen Koalition der Antisemitismus unaufhörlich Fortschritte. Freilich wurden drei Juden in die königliche Kurie — den höchsten Gerichtshof in Budapest — berufen, zwei von ihnen sogar zu Senatspräsidenten ernannt. Allein in der Bevölkerung sieht es

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