Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 12)
- Language
- German
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— 106 — Um vom Südosten des Kontinents nach dem Nordwesten überzuspringen, sei erwähnt, daß als die tatkräftigsten Bewohner Columbiens die der Provinz Antiochia gelten, deren Kopfzahl ungefähr eine Million beträgt. Es ist eine bekannte Tatsache, daß diese Antiochianer — und ihr Aussehen bezeugt es — Mischlinge von aus Spanien geflüchteten Marranen mit Indianern sind.^) Ein kolumbianischer Schriftsteller namens Aorge Jsaacs hat einen in ganz Amerika rühmlichst bekannten Roman „Maria" verfaßt, der die Schicksale einer solchen Familie jüdischen Ursprungs in jener Kordilleren-Republik schildert. Es soll die etwas umkleidete Geschichte seiner eigenen Vorfahren sein. Als indirekter Beweis des soeben Angeführten sei noch erwähnt, daß die aus dem Orient nach dem lateinischen Amerika einwandernden spaniolischen Juden wenige Wochen nach ihrer Ankunft, wenn sie den altertümlichen Dialekt ihrer „Ladino"25) genannten Muttersprache abgelegt haben, von dem typischen Kreolen überhaupt nicht mehr zu unterscheiden find; auch führen sie. wie schon erwähnt, häufig dieselben Familiennamen. Ehe wir die Leidensgeschichte der Juden im spanischen kolonialen Amerika schildern, ist es notwendig, kurz die Ausdehnung und Einteilung der ehemaligen kastilianischen Besitzungen zu skizzieren. Dieselben erstreckten sich ohne scharfe Grenze zwischen dem Mississippi Strom und dem Stillen Ozean vom 41. Grade nördlicher Breite (den noch heute spanische Namen tragenden Unionsstaaten Colorado, Nevada und Californien) bis zum 36. Grade südlicher Breite. An den atlantischen Ozean grenzte auf der südlichen Hemisphäre das spanische Weltreich nur an seiner äußersten Ecke, das heißt um den 85. Grad, durch den Riesenstrom La Plata, denn nördlich von demselben lag die portugiesische Kolonie Brasilien und wieder nördlich '2 von dieser ungeheuer großen, aber wenig erschlossenen lusitanischen Besitzung das holländische und französische Guayana. Diesen beiden Nationen sowie den Engländern. Schweden und Dänen gehörte auch der größte Teil der kleinen Antillen, aber auch von den großen westindischen