Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Antonio, der Kaufmann von Venedig
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 94 — jeder blöde geputzte Laffe beschimpft ihn, aber er ist ein stolzer Mensch, ein großer Einsamer. Durch tausendfaches Unrecht verbittert, zwingt er das Wunder vom Himmel herab, das ihm die ersehnte Rache bringen soll, und muß erfahren, wie listiges Gaukelspiel ihn um Rache und Recht bringt und er aufs Neue, schlimmer als je, erniedrigt wird. Das unsinnige Fastnachtstreiben geht weiter. Antonios Hochmut hat ihn zur tiefsten Erniedrigung gebracht; aber das Gewitter, das über ihm schwebte, zog vorüber — es blieb beim Wetterleuchten, und bald wird jede Erinnerung an die dräuende Gestalt verschwunden sein, die sich vor ihm erhoben hat. Und wenn Graziano die Hohlheit dieses Treibens erkennt, und wenn William Shakespeare den Kesselflickern und Kaufleuten, den Schlaus und Antonios seines Publikums die Wahrheit ins Gesicht sagt, — der Tanz geht weiter, und weder der eine noch der andere sind töricht oder mutig genug, sich dem Reigen zu entziehen. Einsam und außerhalb des Reigens bleibt nur der Jude. Ihm bleibt nichts, als das Bewußtsein seines Rechtes — sein Reich ist nicht von dieser Welt! *