Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115205--6628-3115252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 — arttichen Deutsch bedient hatten, das bei den Juden Deutschlands in einer langen, noch garnicht wissenschaftlich erforschten Geschichte heimisch geworden war. Nur bei den östlichen Juden, in Polen und in Teilen Oesterreichs und Rußlands blieben jene alten jüdisch-deutschen („jiddischen") Uebersetzungen noch einige Zeit in Gebrauch oder machten neuen Versuchen Platz, die heiligen Schriften in „mameloschen" zu bieten. So kam es, daß diese ganze große Bibelliteratur vergessen wurde. Und da vieles davon niemals durch den Buchdruck verbreitet worden war, sondern nur handschriftlich und in Abschriften existierte, die sich anfertigte, wer solche Verdeutschungen für sich, Frau und Kinder brauchte, ging vieles von dieser Literatur zu Grunde, oder es verschwand selbst aus den Augen der Gelehrten in Bibliotheken, die sich eifrige und fromme jüdische Sammler anlegten. Wir wollen auch nicht vergessen, wie viele Bücher dieser Art durch Unglücksfälle, bei großen Bränden oder bei den scheußlichen Verfolgungen, die Israel von seinen Haffern zu erdulden hatte, zu Grunde gegangen sind. Oesters ging es da freilich auch nach dem Wort der Schrift: „Ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott hat es gut gemacht". Man nahm denJuden mit Gewalt wertvolle Bücher aller Art, darunter Bibelübersetzungen, fort, um diese Schätze in den Bibliotheken der Klöster verschwinden zu lassen. Auf diese Weise sind z. B. viele wertvolle jüdischeHandschriften in diereicheSammlung der Staatsbibliothek in München gerettet worden. Leider fehlt es bis heute an genauer Kenntnis alles dessen, was uns handschriftlich erhalten ist, weil es an sorgfältiger Katalogisierung dessen fehlt, was an Uebersetzungen von Teilen der heiligen Schrift oder der ganzen Bibel auf uns gekommen ist. Der unvergeßliche Moritz Steinschneider, dieses leuchtende Vorbild deutscher Gelehrsamkeit und deutschen Fleißes, hat zwar über alles Lob Großes geleistet durch seine musterhaften Kataloge hebräischer Handschriften und Drucke, besonders der Schätze des Bodleiana. Aber wer weiß, was nicht noch alles in öffentlichen und privaten Bibliotheken, zumal in Italien, wo ja Juden aus Deutschland einst in Menge