Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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— 16 — Brücke nach Indien betrachtet, doch mit dem administrativen Aufbau beeilt sie sich nicht allzusehr. Noch immer ist das Gesetz über die palästinische Staatsangehörigkeit nicht erlaffen. Auch die Gemeinordnung ist noch nicht zustande gekommen, woran freilich innerjüdische Kämpfe die Hauptschuld tragen. Vor allem wird das Frauenstimmrecht von den Orthodoxen mit allen Mitteln bekämpft und ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich in zahlreichen Fragen des Ehe- und des Erbrechts. Hier liegt der Keim zu schweren, religiösen Kämpfen, wobei sich zeigen muß, ob es möglich ist, ein abseits aller Wirklichkeit entwickeltes Recht mit einem aufblühenden Gemeinwesen zu vereinen. Bemerkenswert sind die Fortschritte im Gebiete des Erziehungs- und Unterrichtswesens. Von der Vermehrung der Zahl der Schulen war bereits die Rede, und nun wird das Hochschulwesen ausgebaut. In Haifa ist ein Polytechnikum eröffnet worden, das der Berufsausbildung im Baugewerbe, im Maschinenbau und in der Elektrotechnik dienen soll. In Jerusalem wurde Ende 1924 zu Chanukka das Judaistische Institut eröffnet, das ein Teil der Universität werden soll. Am 1. April wurde dann die Eröffnungsfeier für die Universität selbst unter Teilnahme der gesamten gebildeten Welt gehalten. Man muß sehr, sehr lange in der jüdischen Geschichte zurückgehen, um ein Ereignis zu finden, das in gleicher Weise die Aufmerksamkeit und Anerkennung der ersten Vertreter der Weltkultur anzog. Gewiß befinden sich alle die Institute noch in den allerersten Anfängen, aber sie dürfen als die Keimzellen einer künftigen Entwicklung des jüdischen Geistes gelten. Die Welt erwartet vom Genius des Judentums, daß er noch einmal Bahnbrechendes und Segensreiches für die Entwicklung der Menschheit zu sagen hat! (Abgeschloffen 1. August 1925)