Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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— 15 — jüdischen Einwanderer sorgen, daß in den Adern der aus dem Zarenreiche kommenden Siedler nicht zuviel Chasaren- oder Tatarenblut fließe. Man vergleiche auch in den vorjährigen Verhandlungen der Mandatskommisfion des Völkerbundes, welch fadenscheinige Gründe an den Haaren herbeigezogen werden, um die jüdische Einwanderung und die Palästina-Verwaltung zu bemängeln. Man liebt die Juden eben nicht, auch nicht, wenn sie in aufopfernder körperlicher Arbeit ein Land urbar machen wollen. Zu diesen moralischen treten die materiellen Schwierigkeiten. Es geschehen in Palästina heute ebensowenig Wunder wie nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil. Die Fortschritte können nur schrittweise und unter Aufwendung außerordentlicher Opfer erzielt werden. In der Arbeit hat auch die Zionistische Organisation gelernt, daß es weniger auf die politische Phrase, als auf praktisches Vorgehen ankommt. In Uebereinstimmung mit dem Wortlaut des Mandats, daß die Zionistische Organisation, die bisher als Jewish Agency anerkannt ist, die Mitarbeit aller Juden sichern soll, „die willens sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte mitzuwirken," hat dieselbe erfolgreiche Verhandlungen nach dieser Richtung angeknüpft. Am wertvollsten ist die Zusage einer im Februar 1924 gehaltenen Konferenz in New Jork, in der die angesehensten amerikanischen Juden der verschiedensten Richtungen sich zu Gunsten einer starken Beteiligung am wirtschaftlichen Wiederaufbau Palästinas und an der Jewish Agency ausgesprochen haben. Damit begibt stch die Zionistische Organisation eines großen Teils ihrer Rechte, aber auch der Ansch?"ungen, die in der Agitation bisher im Vordergründe gestanden haben. Sofort haben auch die Nur-Politiker ihr die heftigste Gegnerschaft angekündigt, und der bevorstehende 14. Kongreß wird über die einzuschlagende Richtung zu entscheiden haben. An Schwierigkeiten im Innern fehlt es nicht. Zwar hat die britische Regierung durch die Annexion Transjordaniens und die Ernennung Lord Plumers, eines erprobten Generals, an Stelle von Sir Herbert gezeigt, daß sie das Land fest in der Hand hält und als wichtige