Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115204--6622-3115247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
— 13 — Auch Sir Herbert Samuel, der nach Ablauf seiner Amtszeit zum Bedauern der gesamten Bevölkerung aus der Stellung des Oberkommiffars geschieden ist, hebt in seiner Abschiedsproklamation, die zugleich ein Zeugnis edler Menschlichkeit ist, das fortschreitende Gedeihen des Landes hervor: .Es war mein ernstestes Bestreben, die von Sr. Majestät König Georg V. den Palästinensern vor fünf Jahren gegebene Zusicherung absoluter Unparteilichkeit in der Verwaltung und der Respektierung der Rechte jeder Rasse und jeden Glaubens genau zu beobachten. Das Land wächst und gedeiht in der Landwirtschaft wie in der Industrie, auch der Handel blüht. Die Bevölkerung nimmt zu, ein Ueberschutz der Einnahmen über die Ausgaben in der Höhe von 600 000 Pfund ist vorhanden; für öffentliche Sicherheit ist gesorgt; die Malaria-Seuche wurde ausgerottet; 200 neue Schulen wurden eröffnet; mehr als früher herrscht Harmonie zwischen den einzelnen religiösen Gemeinschaften. Jetzt, nachdem ich meinen Auftrag erfüllt und mein Amt zurückgebe, bete ich für die Wohlfahrt Palästinas in Zukunft, für Gemeinschaftsgeist innerhalb der Landesbevölkerung und die Macht seines geistigen Einflusses auf die Welt." Inzwischen ist die Einwanderung erneut gestiegen. Ihr rapides Wachsen hängt mit dem Notstand in Polen zusammen, der eine große Anzahl bemittelter Industrieller veranlaßte, ihre Betriebe nach Palästina zu verlegen; nicht wenige Lodzer Fabrikanten versuchen, ihre Baumwollmanufakturen nach Palästina zu verpflanzen. Diese Einwanderer ließen sich zumeist in den Städten nieder, vor allem Tel-Awiw bei Jaffa wuchs in nahezu amerikanischen Dimensionen. Es fehlte dabei nicht an ähnlichen Begleiterscheinungen, vor allem einer sprunghaften Bodenspekulation, gegen die in Palästina selbst energisch protestiert wird. An anderen Plätzen wie Jerusalem, Haifa, Liberias wurden neue Viertel in Form von modernen Gartenstädten angelegt. Das Rückgrat des Wiederaufbaus bildet die Landwirtschaft. Nach dem Mandat soll die Regierung die Ansiedlung von Juden auf dem Lande einschließlich von Staatsland und Oedland, das nicht für öffentliche Zwecke gebraucht wird, fördern. Bisher hat die Regierung kein Land zur Verfügung gestellt, alles Land wurde auf dem freien Markte erworben, „dabei wurden die Rechte der