Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115204--6621-3115246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 — «Das vergangene Jahr zeichnete sich insbesondere durch einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung aus. Die vorangegangene Depression, im Zusammenhang mit der allgemeinen wirtschaftlichen Depression der Welt, ist geschwunden. Neue jüdische Einwanderer, unter denen sich eine beträchtliche Anzahl erfahrener und kapitalskräftiger Industrieller befinden, brachten einen industriellen Aufschwung. Die Mehrzahl derselben stammt aus Polen. Neue Industrien, meist kleineren Maßstabs, erstanden besonders in der jüdischen Stadt Tel-Awiw. Aber auch große jüdische Unternehmungen wurden gegründet. Der Touristenverkehr wächst andauernd und wird sich wohl in Zukunst weiter entwickeln. Die Folge dieser Tatsachen ist ein Ueberschutz der Einnahmen über die Ausgaben. Das Jahr 1922/23 schloß mit einem Defizit von 73 000 ägypt. Pfund ab. Das Jahr 1923/24 erbrachte einen Ueberschuß. Man nimmt an, daß das lausende Finanzjahr weiterhin ein Plus erbringen wird. Insbesondere ist das finanzielle Resultat des Eisenbahnwesens zustiedenstellend. Diese günstigen Bedingungen erlauben es, eine gesteigerte Einwanderung zuzulassen. Im Jahre 1924 wunderten 13 553 Personen ein, gegen 7 991 im Jahre 1923. Nichtjuden wunderten in der Zahl von 697 ein. Die Auswanderung betraf insgesamt 2500 Personen. Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation macht gute Fortschritte, die Kampagne zur Bekämpfung der Malaria wird fortgesetzt, fast sämtliche Städte sind von dieser Seuche besteit. Die öffentliche Sicherheit funktionierte gut, die Garnison konnte weiter herabgesetzt werden. Die Kosten haben sich für 1923/24 auf 1500000 Pfund vermindert, für das Jahr 1924/25 ist eine weitere Herabsetzung auf 1000000 Pfund zu erwarten. Eine große Anzahl moderner hebräischer Schulen wurde im vergangenen Jahre errichtet. In allen Schulen wird Englisch, in wenigen auch Französisch als Lehrfach unterrichtet. Auch das Arabische nimmt in den jüdischen Schulen einen Raum ein. Das Schulwesen der Zionistischen Exekutive, der Alliance Israelite und der Arbeitervereine dehnte sich infolge der Neueinwanderung aus. Der Bau der hebräischen Universität ist zum Teil vollendet. Es besteht eine Bewegung hierfür, die bekannten Jeschiwotk aus Osteuropa nach Palästina zu überführen. Eine dieser Jeschiwoth. ist bereits in Hebron, eine andere in Petach- Tikwah errichtet. Es existieren 312 Regierungsschulen; 46 in den Städten und 266 in den Dörfern. Nichtregierungsschulen sind 399 vorhanden; 45 mohammedanische, 180 jüdische und 174 christliche. Man zählt unter den Schülern 2987 Mohammedaner, 19725 Juden und 14511 Christen. Insgesamt werden die Schulen von 13 Proz. der mohammedanischen, von 78 Proz. der jüdischen, von 73 Proz. der christlichen Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren besucht. — In neun Monaten des Jahres 1918 starben in Jerusalem an Malaria 118 Personen, im ganzen Jahre 1924 nur 2."