Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 — werden darf. Doch wehe, wenn eine Gemeinde unter die Gewalt eines jüdischen Kommunisten fällt, der von dem bei ihnen so häufigen, unerbittlichen Fanatismus gegen jeden Ausdruck jüdischer Religiofität besessen ist; Konfiskationen von Synagogen, Bestrafungen religiöser Funktionäre bilden dann keine Seltenheit. Es ist bei aller politischen Gleichheit ein schweres, seelisches Martyrium, das die noch immer beträchtliche Anzahl von Juden in den vereinigten Sowjetrepubliken durchmacht. Auch wirtschaftlich sind die Juden in harter Bedrängnis. In einem Lande mit Gemeinwirtschaft, wenn sie auch nicht konsequent durchgeführt wird, ist für eine so beträchtliche Anzahl von Händlern und Vermittlern kein Raum. Eine Berufsumschichtung ist eine Existenzfrage für die russischen Juden, mit bewundernswerter Energie streben die russischen Juden produktiver Arbeit zu. Die Sowjetregierung zeigt Verständnis für das Problem und hat — als einzige Regierung, obwohl alle den Juden das Fernbleiben von „produktiver" Arbeit zum Vorwurf machen — in Südrußland und der Krim zur Ansiedlung von Juden Land bereitgestellt. Das Joint Distribution Committee of America, das seine Hilfstätigkeit bereits als abgeschlossen betrachtet hatte, nimmt sie unter den veränderten Verhältnissen wieder auf und will im Herbst sogar eine neue großzügige Sammlung von Fonds zur Verwendung in Rußland veranstalten. Die Vertreter des Joint berichten nach sorgfältigen Studienreisen, „daß die Landansiedlung der Juden in Rußland eine wichtige Erscheinung dieser Zeit darstellt und uns das Ziel für unsere Wiederaufbautätigkeit in diesem Lande gibt. Mehr als tausend Häuser sind jetzt im Bau und werden noch vor Einzug des Winters fertig sein. 40000 Morgen Land werden bereits von neuen jüdischen Siedlern mit glänzendem Erfolg bearbeitet. Es ist ermunternd festzustellen, daß die neuen jüdischen Siedler mft den benachbarten russischen Bauern erfolgreich wetteifern." Fünf Arbeitsgebiete hat der Joint in Rußland: 1. Ansiedlung von Juden aus dem Lande, 2. Verbreiterung des Netzes und der Tätigkeit der Handwerker-Darlehns-