Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 124 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 124 — Er o nis l a w a. Aber unsere Gesellschaft wird ihm trotzdem seine Abstammung nie vergessen, nie verzeihen.. Wolowski. Laß es gut sein. Das Ganze ist nur eine Frage der Macht. Es kommt einzig auf die Stellung an. die er sich erringen wird, vulgär gesprochen, auf die Karriere, die er machen wird. Bedeutet er erst was. hat er eine Position, die ihm Macht und Ansehen gibt, hat er Konnexionen, die ihm förderlich, andern nützlich sein können — so kräht kein Hahn nach seiner Abstammung, und alle Stände mitsamt der Schlacht« wedeln vor dem „durchlauchtigst vielvermögenden Herrn". Bronislawa. Du magst ja recht haben, aber vorläufig hör' ich immer ihr Getuschel hinter unserem Rücken. Ich fühle es geradezu, wie sie die Köpfe zusammenstecken und flüsternd ihre Meinungen austauschen. Unerträglich ist schon ihre Rücksichtnahme. Sie lassen es einen merken, daß sie rücksichtsvoll einem gewissen Thema aus dem Wege gehen. Wolowski. Du brauchst darin keine böse Absicht zu sehen. Eigentlich machen wir's ja auch nicht anders. Wir besprechen zwar häufig die Angelegenheit, aber wir berühren den Gegenstand doch nur — so — so — obenhin ... — Ist es dir bis jetzt nicht ausgefallen? Bronislawa. Allerdings. * Wolowski. Wir müssen uns schon darüber klar sein: ein Übertritt hat immer etwas Peinliches an sich. Wronislawa. Und das Geschrei der Juden macht die Sache noch peinlicher. Einer hat sie verlassen, und sie erheben ein Lamento, als hätte man ihnen Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstört.