Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 115 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 115 — •an einen Mann gekettet, dessen Anblick schon mich •mit Abscheu erfüllte? Hab ich nicht fünf Jahre lang an der Seite dieses Mannes täglich und stündlich mein Leben -verwünscht? Was nützt es mir jetzt, daß ich mich der Fessel entledigt — einen Knacks fürs ganze Leben Hab ich doch schon abgekriegt ... W i m s o N (blickt sie forschend an). Weißt du auch, wohin der Weg führt, den ich zu gehen habe? Dina. Ich weiß es. Er führt dich hinaus aus diesem Dunkel, und du reißt hinter dir die Brücken nieder, die dich mit allem Vergangenen verbinden. Es ist kein Schade darum. (Sie holt tief Atem; halb für sich.) Wie wenig Freude ist doch bei uns! Simsf>N (nachdenklich). Du sprichst wahr. D in a. Draußen aber erwartet dich das Leben, die Freude am Leben, und — dort erwartet dich vor allem die Liebe, die starke Liebe — Maryas .... l m s o n (leidenschaftlich und energisch). Die Liebe Maryas! Du hast das Wort ausgesprochen, das mir den schweren Schritt erleichtert. Die Liebe Maryas — das ist der zwingende Grund, der mich der Qual der Wahl enthebt. Jetzt bin ich bereit, die Tat zu tun. Ich will, weil ich muß Denn — stärk wie der Tod ist die Liebe, und viele Wasser können das Feuer der Liebe nicht löschen. (Er öffnet hastig ein Schubfach der Kommode und entnimmt ihm einen großen Handkoffer. Mit dem Koffer in der Hand geht er zum Fenster, hebt den Vorbang ein wenig in die Höhe und chlickt auf die Straße. Plötzlich stürzt er auf das Bücherregal zu, nimmt einen Folianten heraus und steckt ihn 2n den Handkoffer. Dina beobachtet seine Bewegungen mit großer Aufmerksamkeit.) 8*