Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 114 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Simson. Wie klug du sprichst! Allein — du kennst uns nicht. Wir sind Menschen von lauter Kopf. Da strebst du nach einer Tat. und immer wieder schiebt sich der Kopf dazwischen . . . Wenn ich mir's so bedenke, Dina. daß ich heimlich wie ein Dieb aus meinem Vaterhaus schleichen soll . . . (klopft sich tat die Stirn). Weiß der Himmel, unsereins wird die Gedanken nicht los! ... (Aus dem anstoßenden Zimmer dringt die Stimme Rahels; sie fingt deutlich vernehmbar, das folgende Wiegenliedchen: Efraimchen wird lernen Thora. 8ora wird er lernen, orim (Bücher) wird er schreiben. Und ein großer talmid chochom (Gelehrter) Wird Efraimchen bleiben. Ei lju, lju, lju, lju . . . . Den Refrain wiederholt sie einigemal, immer leiser, bis der Ton verhallt.) S i m s o n. Hörtest du das Wiegenlied? — Schon in der Wiege werden wir auf das Wort hingewiesen. Efraimchen wird Bücher schreiben . . . Diese waren es, die uns entnervt, entkräftet, unserer Jugend beraubt haben. (Die Wanduhr schlägt zwei.) Dina. Die Zeit drängt, Simson. Bald kommen sie aus dem Beth-hamidrasch. — Du mußt den Schritt wagen und heute Nacht den Grundstein für deine Zukunft legen. Simson. Ich bewundere dich. — Daß du auch den Mut in dir findest, meiner Flucht Vorschub zu leisten. Dina. Dir droht hier ein ewiger Kampf nlit dir selbst. Dir droht hier ein Los wie das meine . . . Schonet nicht den Nächsten — sagt Nietzsche . . . Und mit Recht. Die Nächsten schonen auch unser nicht. Ward ich nicht wider Willen, ja geradezu mit Gewalt.