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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
Date
1920-01-01
Page
62 (sequence 2)
Language
German
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62 Ech das Lehrhaus und das Bethaus, „die lie-e Schul", 'erschlossen stärkende Quellen der Beseligung und Erhebung, des Duldens und der Ergebung, des Mutes und der Widerstandskraft sowie des wahren Menschentums. Den Juden war eine lange Zeit gegeben, sich in diesen Tugenden zu üben. Denn während mit der Wiedergeburt der Künste und Wissenschaften, mit der Neugestaltung der kirchlichen Verhältnisse, mit dem Verschwinden des Rittertums und der Feudalwirtschaft der christlichen Welt eine neue Epoche sich erschließt, müssen die Juden auch weiter im mittelalterlichen Dunkel ihres Daseins ausharren. Ihnen, die durch finanzielle Unterstützung Erfindungen und Entdeckungen ermöglichen, die ihr Wissen in den Dienst des Humanismus stellen, die selbsttätig die welterhellende Kunst Gutenbergs Pflegen und mitentwickeln, die, wo sie können, die Wiffenschaft fördern, soll das Glück der bürgerlichen Gleichstellung erst an der Schwelle der neuesten Zeit beschieden werden. Wenn ich es mir nun zur Ausgabe stelle, die soziale und rechtliche Lage der deutschen Juden des Mittelalters und ihren wohltuenden Gegensatz: das innere Leben unserer Vorfahren, zu schildern, so bin ich mir bewußt, daß die Ausdehnung des Zeitraums, von den Kreuzzügen etwa bis zur Zeit Mendelssohns, eine gleichmäßige Schilderung nicht gestattet, daß jede Zeit ihre charakteristischen Merkmale hat. Darum will ich im raschen Fluge die Zeiten durcheilen, in Einzelskizzen die Welt und das Haus des deutschen Juden im Mittelalter zeichnen, überzeugt, daß diese Bilder sich zu einer lebensvollen Darstellung des äußern wie des innern Lebens eignen werden. Im Geiste führe ich Sie an den Rhein, in jene alten Bischofssitze, wo einst ' das Studium der Gotteslehre die reichste Pflege fand und wo die sittlich-religiöse Lebenskraft für Jahrhunderte geschaffen wurde. Dann geleite ich Sie in das alte heilige Köln. Ausgehend von der bürgerlichen Rechtslage will ich Sie mit dem Gemeindewesen und der Berufstätigkeit der Kölner Juden vertraut machen. Darauf bringe ich Sie in die alte Reichsstadt Nürnberg und stelle das Wirken für Schule und Lehrhaus dar. Dann

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