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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 10

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Rückblick auf das Jahr 5679
Date
1920-01-01
Page
10 (sequence 10)
Language
German
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10 alten Wohnvierteln ist es freilich vielfach gekommen,, und oft sollen sich dieser rohen Belästigungen auch Angehörige der Reichswehr schuldig gemacht haben, denen doch gerade der Schutz friedlicher Einwohner oblag; die eigentliche Bevölkerung Groß-Berlins und der übrigen deutschen Großstädte aber hat sich gegen das antisemitische Pogrom- Gift widerstandsfähig erwiesen. Im Toben der äußeren Feindseligkeiten fanden wir nur schwer die Sammlung und Muße, all dessen froh zu werden, was innerhalb unserer Judenheit an lebendigen, schaffenden Kräften so heilsam sich regte. Ende Juni konnte der Deutsch-Israelitische Gemeindsbund dis Feier seines fünfzigjährigen Bestehens und Wirkens begehen. Am 29. Juni 1869 auf Anregung des unvergeßlichen Emil Lehmann in Dresden gegründet, nach dem Kriege von 1870—71 mit den erforderlichen ersten hundert Gemeinden konstituiert, hat der Gemeindebund in seinen junger! Jahren den Anfängen des modernen Antisemitismus tapfer standgehalten. Er hat ebenso, in seinen Anfängen schon, der Wanderarmen-Fürsorge, der geistigen und wirtschaftlichen Hebung des Gemeinde-Beamten-Standes, dem Religionsunterricht, der Alters- und Hinterbliebenen-Versorgung der Gemeindsbeamten mit allem Eifer und Erfolg sich gewidmet. Fallen diese großen sozialen Verdienste in die Kristeller'sche Präsidentschaft, so erreichte der Bund den Höhepunkt seines verdienstlichen Wirkens in den wissenschaftlichen, pädagogischen aber auch sozialen Errungenschaften inderAeraMartin Philippson.Aufeineüberaus segensreiche Tätigkeit konnte der Hilfsverein der deutschen Juden zurückblicken, und der Centralverein d eutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, durch die Not der Zeit zu einer stärkeren Betätigung aufgerufen, hat in Schutz und Abwehr, in der Sammlung und Steigerung der Kräfte, sich unermüdlich gezeigt. Die jüdische Hochschule in Berlin hat, gleich im ersten Jahr ihres erfreulich fruchtbaren Wirkens, reichlich Anhang und Ansehen gewonnen. Gleichermaßen war überall im Reiche das Streben zu geistiger Aufrichtung und Erstarkung erkennbar. Die Neuordnung des Wahlsystems in den

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