Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5679
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 8 (sequence 8)
- Language
- German
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— 8 — ' Lebensmittelwucherer verachtet. Sicher aber ist, daß den -verhältnismäßig wenigen sehr achtbaren — auch die sind in allen Lagern vorhanden — und nicht achtbaren jüdischen Kriegsgewinnern eine viel größere Zahl an Kriegsverlierern gegenübersteht, die durch Einberufung zum Heeresdienst, Auflösung ihrer Geschäfte, durch die umgestaltete Wirtschaftsordnung, um Erwerb und Habe gekommen find. Neu und Erscheinungen des abgelaufenen Jahres sind diese törichten, diese haltlosen antisemitischen Anschuldigungen, wie schon gesagt, alle nicht, neu aber und tief beschämend für den deutschen Kulturgrad, ein trauriges Zeichen seines Niederganges, ist der wüste, rohe Knüppelton, in dem sie durch Millionen ekler Flugblätter in die Welt hinausgebrüllt wurden. Wer uns vor dem Kriege gesagt hätte, daß Deutschland einmal zu einer Stätte der Pogromhetze nach 'den verruchtesten russischen Rezepten hinabsinken würde, den hätte man ausgelacht oder für einen Tollhäusler gehalten. Und nun, nachdem die deutsche Judenheit in mehr als vier Kriegsjahren die schwersten Bluts-, Vermögens-und Arbeitsopfer gebracht hat, (beispielsweise gehörten von etwa 1100 jüdischen Studenten, die in der „K. C.", dem „Kartell- Convent", bei Kriegsausbruch vereinigt waren, 935 dem Feldheer an, 96 von ihnen starben den Heldentod im Kriege, 70 haben das eiserne Kreuz I. Klasse, 538 das eiserne Kreuz II. Klasse erworben, 225 erhielten andere Kriegsauszeichnungen, 116 wurden zu Offizieren ernannt, und bei alledem bleibt zu berücksichtigen, daß, bei der . Voreingenommenheit, um nicht zu sagen beim starken Übelwollen, im Offizierskorps ein jüdischer Soldat sich schon ganz besonders hervortun mußte, um einer Auszeichnung teilhast zu werden) nun, nachdem gemeinsames Leid die Deutschen , verschiedenen Glaubens zu brüderlicher Einheit hätte verschmelzen müssen, nun erleben wir eine Auspeitschung des Judenhasses wie sie vorher kaum im dunkelsten Moskowitertum zu verzeichnen war. .Der moralische Verfall, der sich nach dem Kriege in der wachsenden Unsicherheit, in der Zunahme der Verbrechen, in der Häufung der Morde und Einbrüche äußert, er