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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Rückblick auf das Jahr 5679
Date
1920-01-01
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Schuld der Juden, daß die Gesetzgebung früherer Zeiten sie von der Landwirtschaft, vom Handwerk gewaltsam fernhielt und sie einzig auf den Handel anwies. Die obersten Militär- und Zivil-Behörden, denen die Besetzung der Kriegsämter oblag, sind sicherlich vom Verdacht einer Begünstigung der Juden frei. Weit eher konnte ein gegenteiliger Verdacht auskommen. Nach einem amtlichen, nur zum inneren Gebrauch bestimmten Verzeichnis der Kriegsorganisationen, besaßen wir, im Februar 1918, insgesamt 268 Kriegsgesellschaften, Ausschüsse, Kommissariate usw. Von den 636 leitenden Persönlichkeiten in diesen Ämtern waren, nach einer genauen Statistik, 454, also 80,7 Prozent, Christen, 53, also 9,6 Prozent, Juden. Von weiteren 65 Personen, also 9,7 Prozent, hat sich die Glaubenszugehörigkeit nicht sicher seststellen lassen! Macht man, mit vielem Lärm und wenig Sinn, die Juden verantwortlich für die Fehler und Sünden der alten Regierung, so ist man auch gleich bei der Hand den Juden alle Verfehlungen der neuen Regierung, alle Ausartungen der Revolutionsaera in die Schuhe zu schieben. Bei den Bolschewisten in Rußland und ihren Ablegern im deutschen Reiche finden sich Juden in führender Stellung. Das ist nicht zu bestreiten. Was aber hat das Judentum mit ihnen zu schaffen? So wenig wie das Deutschtum mit einem Wetterlö oder ähnlichen Überläufern. Alle diese Zufallsjuden, die nichts mit unserem. Glauben, nichts mit dem jüdischem Wesen gemein haben oder auch nur gemein haben wollen, werden von uns verleugnet, verworfen von Anfang an. Unter den Opfern der Bolschewistenherrschaft in Rußland waren die Juden besonders zahlreich. Die wenigen Juden an der Spitze der Sowjet-Regierung haben die mannigfachen Pogrome im kommunistischen Rußland nicht verhindern können, vielleicht nicht einmal verhindern wollen. Unter den blutigen Opfern des Umsturzes in Bayern waren wohl einige Juden, die, wie Kurt Eisner, wie Gustav Landauer, als die Märtyrer ihres verstiegenen, weltfremden, wohl auch wirrköpfigen aber reinen Idealismus sielen, an den

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