Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5679
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 aufgeboten, um von dem verschärften U-Boot-Kriege abzuraten, um vor der Unterschätzung Amerikas und seiner Kriegs-Leistungsfähigkeit zu warnen. Ballin sah den völligen Zusammenbruch als unausbleibliche Folge des verschärften U-Boot-Krieges voraus und er hat alles versucht, um sich an den maßgebenden, entscheidenden Stellen Gehör zu verschaffen. Vergeblich! Er würde nicht gehört. Seine Gründe wurden verdächtigt. Er wurde sogar schnöde behandelt und mußte das Reichsschiff in den verderbenbringenden Strudel geraten sehen. Der Schmerz um Deutschlands Untergang hat ihn niedergeworfen. Am Tage, der die Zerstörung der alten Reichsherrlichkeit besiegelte, am 9. November 1918, ist er einem Herzschlag erlegen. Die mannigfachen Verschuldungen der Zwangswirtschaft werden den Juden zugeschoben. Ist diese Zwangswirtschaft von Juden ins Leben gerufen worden? Jawohl. Eine einzige Stelle wenigstens, die erste und die wichtigste, die Kriegs-Rohstoff-Abteilung, ohne deren Wirken der Krieg nicht vier Monate hätte geführt werden können, ist von einem Juden in Vorschlag gebracht, von einem Juden, unter mannigfachen Opfern ins Leben gerufen und bis zur Sicherstellung des glatten Betriebes geleitet werden. Von Dr. Walther Rathenau. Reichskanzler und Kriegsministerium haben ihm dies angelegentlichst gedankt. Das war der Anteil der Juden an der Ausgestaltung und obersten Leitung der Zwangswirtschaft. Und wenn behauptet wird, daß in den Kriegsämtern unverhältnismäßig viele Juden beschäftigt wurden, die fich dem Frontdienst entzogen, so wird eine genauere Nachprüfung ergeben, daß Adel, Großindustrie und Beamtentum da den weitaus stärkeren Anteil hatten. Überdies konnte in den Kriegsämtern doch nur Platz finden, wer als besonders vorgebildet und befähigt z» diesem Dienst berufen, von den Ministerien und ihren Organen berufen wurde. Diese Berufenen aber mußten für ihre Ämter kaufmännische Talente, Warenkenntnis und Eignung mitbringen, Eigenschaften, die vorwiegend in Kaufmannskreisen gefunden werden. Es ist wahrlich nicht die