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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 208

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 208 (sequence 70)
Language
German
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208 zu überzeugen. Georg Wergenthin, der unparteiische Christ, hört ihnen still zu, gibt in seinem Innern bald dem Zionisten, bald dem Deutschen recht und erfaßt allmählich die Tragik dieser Sache. „Eine Ahnung stieg in Georg aus, wie schwer gerade diesen Besten, von denen Heinrich sprach, denen, in deren Seelen sich die Zukunst der Menschheit vorbereitete, eine Entscheidung fallen mußte, wie gerade chnen, hin und her geworfen zwischen der Scheu, zudringlich zu erscheinen, und der Erbitterung über die Zumutung, einer frechen Ueberzahl weichen zu sollen — zwischen dem eingeborenen Bewußtsein, daheim zu sein, wo sie lebten und wirkten, und der Empörung, sich eben da verfolgt und beschimpft zu sehen; wie gerade ihnen zwischen Trotz und Ermattung das Gefühl chres Daseins, ihres Wertes und ihrer Rechte sich verwirren mußte. Zum erstenmal begann ihm die Bezeichnung Jude, die er selbst so oft leichtfertig, spöttisch und verächtlich im Munde geführt hatte, in einer ganz neuen gleichsam düsteren Beleuchtung aufzugehen. Eine Ahnung von dieses Volkes geheimnisvollem Los dämmerte in ihm aus, das sich irgendwie in jedem aussprach, der chm entsprossen war; nicht minder in jenen, die diesem Ursprung zu entstiehen trachteten wie einer Schmach, einem Leid oder einem Märchen, das sie nichts kümmerte — als in jenen, die mit Hartnäckigkeit auf chn zurückwiesen, wie auf ein Schicksal, eine Ehre oder eine Tatsache der Geschichte, die unverrückbar seststand." Die Gesühlsverwirrung derer, „in deren Seelen sich die Zukunft der Menschheit vorbereitet" — das ist Schnitzlers eigentliche Beichte. So sieht er selbst den Grund all seines Schwankens in seinem Judentum. Es gibt so manchen modernen Schriftsteller, der dem Judentum angehört, ohne irgendwie ernsthaft von ihm beeinstußt zu sein, dessen Biographie man schreiben könnte, ohne seine Abstammung zu erwähnen. Anders Arthur Schnitzler. Die Eigenart dieses nicht konfessionellen Menschen, dieses deutschen Dichters erhielt ihre wesentliche Prägung durch das Judentum.

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