Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 13)
- Language
- German
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96 Aber nicht weniger wichtig als die Predigt war die Schaffung der religiösen Unterweisung in einer wohlgeordneten Schule und nach den Vorschriften der Pädagogik. Sie fand Nachahmung in Hunderten von jüdischen Gemeinden, auch orthodoxen, die heute nicht mehr wissen, daß sie nur das von Philippson gegebene Beispiel befolgt haben. Dieser methodische Unterricht, der mit einer Fortbildung im Sinne der religiösen Konfirmation abschloß, war von der Leitidee Philippsons beherrscht: er sprach nicht nur zur Vernunft, er wandte sich auch an das Empfinden der Kinder, der Jünglinge und Mädchen, er suchte in ihrer Seele die Begeisterung für die väterliche Religion zu erwecken und erfüllte ihr Gedächtnis mit einem Vorräte von wichtigen Aussprüchen und Bibelversen, die imstande waren, ihnen in allen Lagen des Lebens den Beistand der Religion und Moral zu gewähren. Er traf sich dann in einem schöpferischen Gedanken mit einem der bedeutendsten der damaligen jüdischen Gelehrten, mit Abraham Geiger. Hat dieser den zweiten Jahrgang seiner Wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologen (1836) mit der Abhandlung eröffnet: „Die Gründung einer jüdischtheologischen Fakultät ein dringendes Bedürfnis unserer Zeit", so hatte Philippson schon vorher, im Jahrgang 1836 seines „Predigt- und Schulmagazins", den Wunsch ausgesprochen: ein Seminar begründet zu sehen, in dem sich die jüdischen Jünglinge Kenntnisse in der Wissenschaft des Judentums, in theologischer, historischer und linguistischer Beziehung aneignen könnten. Die Form, die Geiger der originalen Anregung Philippsons gegeben hatte, gefiel auch diesem am besten. Als Krönung des gesamten jüdischen Unterrichtsgebäudes betrieb er, seit 1837, ganz selbständig und ohne Beihilfe irgend jemandes die Schöpfung einer jüdisch-theologischen Fakultät. Er begriff sehr wohl, daß der Hochschulunterricht auf das wirksamste die Unterweisung auch der mittleren und niederen Grade ermutigt, anregt und mit der angemessenen Richtung versieht. Allein seine wiederholten Versuche blieben ohne