Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Abraham Geiger
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Die neue Auffassung vorn Ursprung und Wesen der Parteien, die so gewonnen war, wurde fruchtbar für die Anschauung von mehreren, in der Geschichte des Judentums entscheidenden Jahrhunderten; ja, die ganze Geistes¬ und Religionsgeschichte erhielt von hier aus einen anderen Anblick. Geiger betrachtete es auch als sein letztes Ziel, „eine wirkliche Geschichte des Judentums und seiner Literatur" zu schreiben. Das war ihm nun freilich nicht beschieden, aber die Materialien dazu hat er in den Vorlesungen für die Hochschule zusammengetragen, die nach Aufzeichnungen seiner Hörer in den „Nachgelassenen Schriften" Bd. II und Bd. IV veröffentlicht sind. Eine zusammensassende Darstellung hat er nur in populärer Form in seinen Vorlesungen gegeben, die unter dem Titel „Das Judentum und seine Geschichte" vereint sind. Nach einigen einführenden Vorlesungen über die leitenden Ideen des Judentums bieten sie eine Uebersicht über dessen Entwicklung bis zur Schwelle der Neuzeit. Es ist die innere Geschichte des Judentums, die hier zur Darstellung kommt; sein Wesen, seine schaffenden Ideen, seine religiöse und kulturelle Lage werden in einer großartigen, tiefgründigen Weise vorgeführt. Die Begeisterung des redegewaltigen Verfassers, die dem gesprochenen Wort den Schwung verlieh, klingt auch durch das Schriftwerk durch. Nicht nur seinem Inhalt, sondern auch seiner Form nach gehört das Werk zu den wertvollsten der neueren jüdischen Literatur; es ist das gelesenste und beliebteste Buch des Autors geworden. * Eine so ungewöhnliche Fülle von Arbeit wie Abraham Geiger kann nur leisten, wer mit reicher Begabung edle Begeisterung und völlige Hingebung an den erwählten Beruf verbindet. Seine umfangreiche wissenschaftliche Tätigkeit entfaltete er inmitten eines großen Pflichtenkreises als Rabbiner bedeutender Gemeinden; und daneben führte er den Kamps für seine religiösen Ideen, trat er