Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Abraham Geiger
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
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72 . — I. Abraham Geiger wurde am 24. 5. 1810 in Frankfurt a. M. geboren, wo er seine weltliche Ausbildung durch Privatunterricht, seine religiöse unterderLeitungseines älteren Bruders Salomon und Wolf Heidenheims erhielt. Ein frühreifes Talent, bezog er 1829 die Universität Heidelberg, die er bald mit Bonn vertauschte. Er studierte hauptsächlich semitische Philologie, Philosophie und Geschichte. In Bonn fand er Gelegenheit, sich zum ersten Male wissenschaftlich zu betätigen, er errang den Preis der philosophischen Fakultät mit der noch heute mustergültigen Arbeit: „Was hat Mohammed aus dem Judentum entlehnt?", in der er seine ausgebreitete Kenntnis der alten arabischen Literatur und seine Belesenheit im Talmud und Midrasch bekundete. Auf Grund dieser Arbeit, seiner Zeugnisse und sonstigen Leistungen erteilte ihm auch 1834 die Philosophische Fakultät in Marburg unter Verzicht auf jede weitere Prüfung das Diplom eines Doktors der Philosophie. In Bonn knüpfte Geiger neben innigen Freundschaftsbündnissen, die teilweise das ganze Leben hindurch fortbestanden, zarte Liebesbande zu seiner späteren Lebensgefährtin, Emilie Oppenheim, aber es dauerte 7 Jahre, bis er die Braut als Gattin heimsühren konnte. Denn das Rabbinat in Wiesbaden, das er zunächst 1832 übernahm, ernährte ihn nur kümmerlich; die Enge der dortigen Verhältnisse, der kleinliche Sinn der Gemeinde konnten ihm das Verbleiben nicht sehr verlockend erscheinen lassen. Da wurde er 1838 in ehrenvoller Weise nach Breslau berufen. In dieser Gemeinde, der zweitgrößten des preußischen Staates, wünschte der fortgeschrittene Teil die Anstellung eines modern gebildeten Predigers neben dem Rabbiner alten Schlages. Die Wahl fiel auf Geiger. Als Nichtpreuße bedurfte er der Naturalisation von seiten der Regierung. Die Gegner seiner Anstellung suchten dies durch allerlei Mittel zu verhindern. Die Angelegenheit zog sich mehr als ein volles Jahr hin. Geiger