Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Endlich seien noch einige Jugendschriften erwähnt. Zum 100. Geburtstag von L. A. Frankl erschien von E. Wölbe: „Ludwig August Frankl, der Dichter und Menschenfreund". Ferner „Gabriel Rießers Leben und Wirken" von I. Feiner; „Einsames Land" von W. Münz; „Festgeschichten für die reifere jüdische Jugend" von M. Pulvermann; „Jüdische Sagen und Legenden" von B. Kutt'ner, von deren erstem Bändchen die zweite Auflage erschienen ist. Außer den größeren wissenschaftlichen Arbeiten, von denen mir manches Wichtige entgangen sein mag, ist im letzten Jahre, wie immer auch viel Kleinarbeit verrichtet worden. Ohne Nutzen ist keine wissenschaftliche Leistung. Aber im allgemeinen ist ein erfreulicher Zug in den Schöpfungen der letzten Zeit zu beobachten: nicht die Gelehrsamkeit ist das Ideal der Forschung, sondern die Wissenschaft, d. h. die kulturgeschichtliche Auffassung und Zusammenfassung der Einzelheiten zu einem Gesamtbild. In dieser Anschauung findet das Judentum seinen Platz unter den mannigfaltigen Erscheinungen der Kultur; und auch seine Würdigung, seine gerechte und unbefangene Beurteilung, wird in dem Maße zunehmen als man sich gewöhnen wird, es als eine Betätigung der geistigen Schöpfungskraft im Menschen zu verstehen — in einer bestimmten Form, die durch die geschichtliche Entwicklung des jüdischen Stammes bedingt ist. Das Judentum will nicht isoliert sein, nicht aus der Gesamtkultur der Menschheit herausgerissen. Der universelle Charakter, den es bereits in sehr früher Zeit angenommen hat, hastet ihm zu seinem Vorteil an, ohne daß es deshalb an Selbständigkeit und Eigenart eingebüßt hat. Es ist ein großer mächtiger Fluß, der sich durch die Jahrtausende der Geschichte zieht, auf seinem Wege viele Nebenflüsse ausnehmend, um das große Meer der Geistesarbeit der gesitteten Menschheit zu speisen. Und da