Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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45 knapper Darstellung die allgemeinen Gesichtspunkte zum Verständnisse der Ereignisse aus jener Zeit, insbesondere die Hauptmotive für den intensiven Haß zwischen Griechen und Juden in Aegypten, wobei jede tendenziöse Voraussetzung vermieden ist. Von katholischer Seite ist uns eine „Neutestamentliche Zeitgeschichte oder Judentum und Heidentum zur Zeit Christi und der Apostel" in einem groß angelegten Werk (zwei Bände) gegeben. Der Verfasser, Joseph Felten, bietet in diesem Buche ein Gegenstück zu der bekannten „Neutestamentlichen Zeitgeschichte" von dem jüngst verstorbenen protestantischen Gelehrten Adolf Hausrath, aber in einem ganz anderen Geist geschrieben — ruhig, sachlich, ohne jede Tendenz und ohne jede Gehässigkeit gegen Völker und geschichtliche Personen. Er sucht nicht zu überraschen und geht von keiner vorgefaßten Meinung aus. Neben der Schilderung des heidnischen Lebens und der staatlichen Einrichtungen jener Zeit finden wir in diesem Buche auch eine informierende Darstellung von den zeitgenössischen Verhältnissen und Vorgängen im Judentum und im jüdischen Volke. Wenn auch vom christlichen Standpunkt ausgehend, ist das Buch doch so gehalten, daß es auch von selbständig denkenden Juden mit vielem Nutzen gelesen werden kann. In das Gebiet des Kulturgeschichtlichen streifen zwei gute Monographien von M. B. Schwalm: „La vie privee du peuple juif ä Tepoque de Jesus Christe“ und „LJndustrie et les artisans juifs ä l’epoque de Jesus“. A. Bertholet veröffentlichte sechs Vorlesungen über „Das Ende des jüdischen Staatswesens". Das bekannte Thema der jüdischen Geschichtsforschung, das seit den Untersuchungen S. L. Rapoports die scharfsinnigsten talmudischen Gelehrten beschäftigt hat: „Antoninus und Rabbi", hat auch den tüchtigen Archäologen Samuel Krauß zu neuer Prüfung angelockt, um die Persönlichkeit festzustellen, die mit dem Namen Antoninus in Talmund und Midrasch bezeichnet wird, von deren intimer Freundschaft zum Patriarchen Juda I. (nach andern vielleicht Juda II.) der Talmud soviel zu erzählen weiß. Krauß glaubt, sie