Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 21)
- Language
- German
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41 und liebevollem Eingehen aus die theosophischen und ethischen Grübeleien dieses merkwürdigen Mannes geschrieben ist. -r- * Das Feld der jüdischen Geschichtsforschung wird weiter fleißig bearbeitet. Vom Vorurteil, als ob schon alles zur Genüge durchforscht wäre, ist man gründlich geheilt. In neuerer Zeit ist viel wichtiges Material aufgefunden worden, das manches bis dahin dunkel gewesene Gebiet der jüdischen Geschichte aufgehellt hat. Die Ergebnisse dieser neuen Forschungen haben den Wissenstrieb noch mehr gereizt. In der Wissenschaft ist die Selbstgenügsamkeit ein Nebel, hingegen bringt der Drang, neue Schätze zu sammeln, reichen Segen. Das Bild, das Jost, der erste jüdische Geschichtsschreiber der neuern Zeit, von seinem eigenen großen Geschichtswerk entwarf, daß es eigentlich nur ein Rohbau war zu dem Zwecke, das vorhandene Material unter Dach zu bringen, während er den Ausbau der jüdischen Geschichte den Nachfolgern und Nacheiferern überließ —■ dieses Bild Paßt in Wahrheit für jede Geschichte. Sie kann nie fertig sein, weil immer neue Geschichtsquellen aufgedeckt werden, die nicht nur für die von ihnen bewässerten Gebiete von großer Wichtigkeit und Bedeutung sind, sondern für das ganze Feld. Was auf einem Punkt aufhellend wirkt, kommt auch dem Ganzen sehr viel zu Nutze. Die alten Rabbiner pflegten auf das Thorastudium das Bild anzuwenden: „Die Worte der Thora sind kärglich an der einen Stelle und reichlich an der andern Stelle"; sie ergänzen daher einander. In der jüdischen Geschichtsforschung kann diese Erscheinung auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Und eigentlich dienen diese neuen Ergebnisse nicht nur der jüdischen Geschichtsschreibung, sondern der Wissenschaft des Judentums überhaupt. Sie tragen dazu bei, Jrrtümer und Mißverständnisse zu beseitigen. Unverstandenes aufzuklären, Zweifelhaftes in Gewißheit umzuwandeln, grundlose Hypothesen zu zerstören und an Stelle des