Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5670
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
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19 Gesetzlich muß, seit Nikolaus I., jeder Rabbiner sechs Gymnasialklasscn durchgemacht und ein entsprechendes Zeugnis erlangt haben. Diese „Kronrabbiner" besitzen aber keinen Einfluß auf ihre Glaubensgenossen, und düs ist um so erklärlicher, als man sie, bei dem Mangel theologisch und zugleich allgemein wissenschaftlich ausgebildeter Kandidaten, aus der Zahl der Rechtsanwälte, Zahnärzte und dergleichen ergänzt. Die Heranziehung von Rabbinern aus dem Auslande ist verboten. Die wirklichen geistlichen Führer der Gemeinden sind die aus den Jeschiboth hervorgegangenen, fast gänzlich ungebildeten Rabbis. Um diesem schweren Uebelstande abzuhelfen, berief die Regierung eine sogenannte Rabbinerkommission, die durch Wahl gebildet wurde. Da aber jüdische Gemeinden in Rußland überhaupt nicht vorhanden sind, sondern nur „Bethäuser" mit deren Getreuen, ließ man die Wähler zur Kommission durch die einzelnen Bethäuser ernennen. So ergaben die Wahlen ein bedeutendes Uebergewicht der streng Konservativen. Einige Fortschrittliche wurden in den großen Städten ernannt: wie in Petersburg Baron David Günzburg, der den Vorsitz in der Kommission erhielt, Staatsrat Poliakow in Moskau. Die Fortschrittlichen widersetzten sich den allzu einseitigen Forderungen der Orchodoxen, und so gelangte die Kommission nur zu schwächlichen und wenig aussichtsreichen Kompromissen. Sie sprach sich für die Einrichtung staatlich anerkannter Zwangsgemeinden aus, denen die Verwaltung der religiösen, Wohltätigkeits- und Bildungsanstalten unterstehen soll, und die ihre Ausgaben durch von allen ihren Mitgliedern zu zahlende Kultussteuer zu decken befugt sind. Die Rabbiner sollen durch Wahl der Gemeinden erkoren werden, ohne Rücksicht auf ihre allgemeine Bildung; sie haben der Regierung gegenüber keine andere Verpflichtung, als die Kenntnis der russischen Sprache. Also im Grunde die alten Jeschiboth-Rabbis, ein schweres Hindernis für jede Kulturentwickelung unter den Israeliten. Eine erfreulichere Zukunft für deren materielles Dasein scheint der Antrag von 166 Duma-Abgeordneten zu der-