Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5670
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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zu melden ist. Glücklich die Gemeinschaften, von denen man nichts zu sagen hat. Nur eine Tatsache sei hier erwähnt, die auf die Wertschätzung der Israeliten in jenen Ländern ein Helles Licht wirft. Von den 66 Mitgliedern des Oberhauses (Landsthing) in Dänemark hat der König nur 12 zu ernennen: unter diesen wenigen erkor er im Januar 1910 einen Juden, Hermann Trier. Die antisemitisch Gesinnten pflegen zu behaupten: nur in denjenigen Ländern seien die Juden gleichgestellt, wo sie infolge ihrer verschwindend kleinen Anzahl eben keine öffentliche Gefahr ausmachten; aber da wo sie häufig seien, merze Man sie notgedrungen aus dem staatlichen und sozialen Leben aus. Die beste Widerlegung dieser mit gewohnter Dreistigkeit ausgesprochenen Angabe bildet Holland, wo die Juden zwei Prozent der Bevölkerung betragen, also das doppelte wie in Deutschland. An durchschnittlicher Bildung und Assimilierung stehen die niederländischen Israeliten z.B. den deutschen beiweitemnach. Und doch ist der Niederländer jüdischen Bekenntnisses seinem Landsmanne christlichen Glaubens durchaus gleich geachtet und gestellt. Wieder ist ein Jude, und zwar der langjährige Vorsteher der jüdisch-portugiesischen Gemeinde zu Paramaribo, mit der hohen Vertrauensstellung eines Präsidenten des obersten Gerichtshofes von Holländisch- Guyana (Surinam) bedacht worden. Bei den Wahlen zum Parlamente Englands im Februar 1910 trugen von 32 jüdischen Kandidaten fünfzehn den Sieg davon. Wie wenig die Juden da, wo sie in gerechter Weise vom Staate behandelt wurden, sich einseitig der liberalen oder gar der radikalen Seite zuneigen, beweist wieder die Parteirichtung der hier gewählten Juden: die Hälfte — acht — sind liberal, die andere Hälfte — sieben — konservativ. Sozialist keiner! Zwei der gewählten jüdischen Liberalen sind Mitglieder des Ministeriums: neben dem schon lange dort sitzenden GeneralPostmeisterHerbertSamuel nunmehr Edwin S. Montagu als Unterstaatssekretär für Indien. Zwei jüdische Minister in Großbritanien! Welch Gegensatz zu