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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 5

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Rückblick auf das Jahr 5670
Date
1911-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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allein solche wiederholten sich auch nach seiner Ableugnung in charakteristischer Weise. Auf dem Gebiete der Justizverwaltung des Reiches haben die Juden gleichfalls über Zurücksetzung zu klagen. Freilich hat sich hier vieles gebessert, seitdem Exzellenz Beseler in Preußen Justizminister ist. Er fährt fort, Juden zu Oberlandesgerichtsräten zu ernennen. Zu Nachahmung seines Beispiels hat auch Hamburg eine solche Ernennung vorgenommen. In Hessen hat Justizminister Ewald zum ersten Male einen ungetauften Juden zum Richteramte befördert. Aber das Reichsjustizamt widersprach der Ernennung eines jüdischen Landgerichtsdirektors in Straßburg zum Reichsgerichtsrat; dieses höchste richterliche Kollegium Deutschlands, dessen erster Präsident Simson gewesen ist, und das bereits viele getaufte Juden unter seinen Mitgliedern gezählt hat, soll von ungetauften freigehalten werden. Und wo bleibt das Gesetz vom 3. Juli 1869? Wie können die Regierungen, sich wundern, daß im Volke der Sinn für Gesetzlichkeit abnimmt, wenn sie selber ungescheut das Gesetz verletzen! Sie ermutigen dadurch auch den Antiseinitisinus, den sie doch amtlich stets von sich ablehuen und mißbilligen. Nur so konnte es kommen, daß die Aerzte des Kreiskrankenhauses Britz im Kreise Teltow es ablehnten, einen jungen jüdischen Arzt dort als Praktikanten aufzunehmen. Und dieser schreiende Fall der Unduldsamkeit wurde von allen Behörden, trotz der dagegen erhobenen Beschwerden, nicht abgestellt, ja nicht einmal mißbilligt! Es sind vorzugsweise sogenannte Gebildete, die starren Deutsch-Chauvinisten, die den Antisemitismus noch bewahren und betätigen. Im Volke ist seine Hohlheit, Lügenhaftigkeit und verbrecherische Gehässigkeit längst erkannt. Die Landtagswahlen in Baden, Ende Oktober 1909, ergaben für die Antisemiten, obwohl sie sich mit der Wagge der Mittelstandspartei zu decken suchten, unter 300 000 abgegebenen Stimmen nur viertausend. In dem Königreich Sachsen, wo die konfessionelle Gehässigkeit ihre schliiumsten Orgien gefeiert hatte, wurden bei den letzten

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