Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5670
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Von Martin PhiliPPson. Juden Deutschlands haben schon seit einem Jahrhundert einen harten Kampf zu bestehen, zuerst um ihre Gleichberechtigung, die seit dem Bundes- und späteren Reichsgesetz von 1869 erreicht ist, dann um ihre tatsächliche Gleichstellung. In allen anderen Kulturländern hat die gesetzliche Emanzipation der Juden auch ihre sofortige Ernennbarkeit zu allen öffentlichen Aemtern und Funktionen zur Folge gehabt. In Deutschland aber und besonders in Preußen, wo man dem Volke stets mit der einen Hand wieder zu nehmen gewohnt ist, was inan ihm mit der andern gegeben, hat man immer Vorwände gefunden oder auch ganz brutal das Belieben der leitenden Kreise angerufen, um den Juden die ihnen verfassungsmäßig erteilten Rechte vorzuenthalten und sogar — wie in dem Falle das Reserve-Offiziertums — abermals zu entziehen. Gewiß ist solche schroffe Verletzung der Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit den Israeliten gegenüber, das Bestreben, diese Gemeinschaft zu Bürgern zweiter Klasse herabzusetzen, durchaus zu verurteilen, vom sittlichen Standpunkte ebenso sehr, wie von dem des Staates selbst. Er beraubt sich der Dienste vieler schätzbarer Kräfte und, was noch mehr ins Gewicht fällt, er zerstört die Grundlage, auf der er selber aufgebaut ist: Recht und Gesetz. Er verstärkt die Stellung aller seiner Gegner, aller Feinde der staatlichen Ordnung, indem er selber diese ebenso gewalttätig wie gewissenlos verletzt. Aber es ist nicht zu verkennen, daß der von den staatlichen Machthabern den deutschen Juden aufgedrungene und von ihnen mit rühmlicher