Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Die gute Partie
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 269 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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269 Tempel geheiratet und war's nicht wunderschön"? Und es schien wirklich wunderschön gewesen zu sein, denn alle Damen wurden tief nachdenklich, einige seufzten sogar. „Ja, ja, man kann gegen die Juden und ihre Zermonien sagen was man will, aber das Heiraten verstehen sie. Wenn ich für mein Annerl ein so feschen Mann find' wie der Herr Alfred, meiner Seel, wir lassen uns alle jüdisch taufen". Während dieses Gespräches war das junge Paar in den Salon gekommen, wo sich nun rasch eine improvisierte Gratulationscour entwickelte. Die Fraenkel wisperte eine Weile mit Dr. Cornitzer, der trotz seiner Konfessionslosigkeit im Rufe stand, ein guter Hebräer zu sein. Und während die anderen gerührt nach Worten suchten, um ihren Gefühlen Ausdruck zu geben, stellte sie sich ans einen Sessel, warf eine Teetasse zu Boden, daß die Scherben aufflogen und rief mit heller Stimme: „Masel tow", wie man bei uns Juden sagt, „Masel tow". Für einen Augenblick waren sie alle etwas betreten dann aber schien es, als fielen für einen Augenblick vielfache Hüllen von diesen verworrenen Gemütern und alle riefen sie wie von einem Taumel ergriffen immer wieder: „Masel tow, Masel tow!" Nur Dr. Cornitzer behielt sein Gleichgewicht und seine gewöhnliche spöttische Miene. Zu seiner Frau aber sagte er halblaut: „Und das alles, weil Alfred Conty eine gute Partie ist!"