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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 243

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Eine glückliche Ehe
Date
1908-01-01
Page
243 (sequence 14)
Language
German
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243 Dukter Wohlgeboren das se Mer tun Widder zurück un bei Meine frau Rösche was is 'n Sotan Unberufen. Aber was der Mensch is gewehnt, das is 'r gewehnt. Ihr geerter Samuel Herz." Heiß stieg die Zornröte ihr in die Wangen. Da hatte sie nun alles getan um diesen beiden querköpfigen Alten einen ruhigen Lebensabend zu verschaffen und nun? . . . „'s is so leer in mei Stub" und „Was der Mensch gewöhnt is, das is 'r gewöhnt." Da drängte der gleiche Wunsch hindurch: Nur wieder zusammen sein. Sprach das Herz so, die Seele? Oder war es nur diese starke Macht, die den Alltag regierte, war es nur die Gewohnheit, die die beiden Alten wieder zusammenzwang? — Sie fühlte ihren Zorn vergehen. Es gab auf Erden keine seligen Gefilde, und es gab keine Cherubim. Damit mußte man sich abfinden. — Sie las in Ruhe den Brief noch einmal durch. Ja, diese beiden Alten das waren die ganz Armen des Lebens. Die waren immer nur durch die graue Ebene gegangen. Niemand hatte sie aus ihrem dumpfen Fürbaßwandern erlöst, keine deutende Hand chre Blicke aus die Schönheiten gelenkt, die Natur und Kunst auch den Aermsten schenken. Ihr Menschentum war schon im Keim erschlagen worden von den Klagen des Vaters, den Seufzern der Mutter. Das Leid des Lebens begrüßte sie bei ihren Eintritt in die Welt, und das Leid des Lebens ging ihnen zur Seite durch alle Stunden ihres Daseins, und sorgte gut dafür, daß die Lebensfreude ihnen fern blieb. Und jetzt war es zu spät für die deutende Hand, die ihnen die Wunder des Lebens weisen wollte, jetzt brauchten sie nur eine milde Hand, die chnen ihr bischen Dasein noch lebenswert zu machen verstand. — Und die Frau mit den verträumten Augen und dem tapferen Herzen griff nach einem Bogen, den sie mit der Adresse des Asyl- Vorstandes versah, und nach reiflicher Ueberlegung und unter vielem Stirnrunzeln schrieb sie: „Es ist mir sehr peinlich, aber ..." und brachte ihre Bitte vor.

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