Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Karl Emil Franzos
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 204 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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204 sich auä) öfter zu diesen Zusammenkünften. Der Prinz wurde in der Folge ein eifriger Mitarbeiter an der „Neuen Illustrierten Zeitung". Er ließ Franzos oft 51t sich holen, verbat sich dabei den Frack und sendete sehr häufig liebenswürdigeBillete, deren Anrede „lieber Herr Franzos" bald in die „lieber Franzos" überging. Bei diesem Verhältnis handelte es sich zunächst um das große Werk „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild", dessen Veröffentlichung der Kronprinz nachmals bis zu seinen: Tode leitete. Doch blieb es keineswegs bei literarischen Besprechungen, vielmehr war es dein Schriftsteller vergönnt, tiefe Einblicke in das irmere Wesen des hochbegabten Fürsten zu tun. Nur wenige Andeutungen darüber veröffentlichte Franzos nach den: tragischen Tode des Kronprinzen. In vertrauten Gesprächen Uetz er sich wohl etwas mehr gehen, ohne doch je die durch die Diskretion gebotenen Grenzen zu überschreiten Das dritte und wichtigste Ereignis ist die Begründung der Zeitschrift, der Franzos fast zwei Jahrzehnte hindurch der: besten Teil seiner Zeit und eine ungeheure Arbeit widmete. In das Jahr 1885 fällt die Anknüpfung mit dem Verleger Bonz in Stuttgart, die Vorbereitung der Halbmonatschrift „Deutsche Dichtung". Die Zeitschrift hatte buchhändlerisch keinen besonderen Erfolgnachdem Bonz den Verlag aufgegeben, versuchten hintereinander drei Verleger ihrHeil, bis dieZeitschrift endlich von oerdurch Franzos gegründeten Verlagsanstalt Coneordia übernommen wurde. Sie erschien zuerst mit manchen künstlerischen Beilagen, Porträts, Facsimiles, gab aber diesen äußeren Schmuck nach einigen Jahren auf. Die Zeitschrift war und blieb ein vornehmes Organ. Sie brachte Dramen, Romane, Novellen der hervorragendsten Schriftsteller: Adolf Wilbrandt, Paul Heyse, Bauernfeld und vieler Anderer. Sie eröffnete manchen jungen Talenten eine neue Laufbahn. Außer Dramen und Romanen brachte jedes Heft eine ziemliche Reihe lyrischer Gedichte, deren Auswahl und Korrektur dem sorgsamen Herausgeber