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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 193

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Karl Emil Franzos
Date
1908-01-01
Page
193 (sequence 18)
Language
German
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193 in bem Buch „Vom Don zur Donau" die Hinzufügung von Ungarn, über deren Berechtigung sich streiten läßt. Doch können diese ebenso wie andere höchst unterrichtende Bestandteile nur kurz angeführt werden: literarhistorische folkloristische Auseinandersetzungen durchaus nach den Quellen gearbeitet und doch so geschrieben, daß sie ein großes allgemein gebildetes Publikum interessieren: „Die geistigen Bestrebungen der Bulgaren", „die Kleinrussen und ihre Sänger", „rumänischePoeten," „rumänischeSprichwörter". Außer den Abhandlungen, die aus einem Gebiete genommen waren, das Franzos bisher nicht betreten hatte, bietet das Buch auch eine Reihe solcher Skizzen, die seiner eigentlichen Domäne angehören: Kulturschilderungen und Novellen aus den Ländern des Ostens. Unter jenen scheint mir „Markttag in Barnow", unter diesen „Mein Onkel Bernhard" die bedeutendste. Die Schilderung des Wochenmarktes ist mit vollendeter Kunst durchgeführt; Gegenden und Menschen treten aufs klarste und deutlichste vor unsern Blick. Der Sonnenuntergang aus der Haide, Ausbruch des Bauern mit seiner Familie, Liebesszenen der Dienstleute und eheliche Zwiegespräche der Herrschaft, der Zug der Dorfleute — alles das gibt eine treffliche Einleitung zu der eigentlichen Schilderung. Welch reiches Bild, welch tolles Gewimmel! Die jüdischen Verkäufer in ihren verschiedenen Abstufungen, die städtischen und adligen Käufer und Verkäufer, die städtischen und adligen Herumlungerer, die teils billige Musik- und Gemäldekritik treiben, teils fade Galanterien reichen Judenmädchen entgegenbringen, die Hausierer und Bettler, die Landgeistlichen und Gutspächter, endlich auch die Schöngeister oder, richtiger gesagt, der Schöngeist von Barnow — alle helfen sie dieses wundersame Bild vervollständigen, das ebenso für die scharfe Beobachtungsgabe wie für die treffliche Darstellungsfähigkeit des Schriftstellers ein vorzügliches Zeugnis liefert. „Mein Onkel Bernhard" ist eine rührende Geschichte, eine traurige Illustration russischer Verhältnisse. Sie berichtet, wie ein reicher Mann durch die Willkür eines verbrecherischen Polizeimeisters an den Bettelstab gebracht.

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