Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Kohelet und Göthes Faust
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 175 (sequence 25)
- Language
- German
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tritt uiib ihn auf die sonnigen Gebiete des Glaubens verweist. Auch Faust ward vorn Wissensdrang unstät irnd ruhelos vorwärts getrieben. Doch gerade wie Koheleth läßt auch ihn seine Einsicht im Stich. Bei ihni ist aber auch das Gemütsleben erloschen. Er hat von vornherein mit dem Glauben gebrochen, drum karin er in ihm seine Seelenruhe nicht wiederfinden. Schon bevor er seinen Pakt mit Mephistopheles geschlossen, ruft er verzweifelt aus: „Fluch sei der Hoffnung! Fluch dem Glauben! Und Fluch vor Allen der Geduld", worauf ihm der Geisterchor erwidert: „Wehl Wehl Du hast sie zerstört. Die schöne Welt, Mit mächtiger Faust; Sie stürzt, sie zerfällt l Ein Halbgott hat sie zerschlagen l Wir tragest Die Trümmer in» Nichts hinüber Und klagen Über die verlorne Schöne. Mächtiger Der Erdensöhne, Prächtiger Baue sie wieder, An deinem Busen baue sie aus! Neuen Lebenslauf Beginne Mir Hellem ^inne Und neue Lieder Tönen darauf!" Drum mußte der Dichter zur Lösung des vorhandenen Seelenkouflikts Faust ein anderes Betätigungsgebiet anweisen Nach langem, vergeblichen Bemühen findet Faust ein solches aus dem Boden selbstlosen, allgemein - nützigen Wirkens, bei den: er seine Seelenruhe wieder erlangt und sich der Erlösung würdig macht. Aber sei es auch, daß beide Werke in Bezug auf das Wie und Wo der Lösung des geschürzten Knotens gar wesentlich von einander abweichen, so paßt doch gleichermaßen aus Koheleth, wie auch auf Faust, wenn auch auf jeden in einem andern Sinne, der Gesang der Engel in der Höhe: „Wer immer strebend sich bemüht, Den können wir erlösen."