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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 133

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
Date
1908-01-01
Page
133 (sequence 7)
Language
German
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188 Ueber Lavater heißt es ferner Bd. 17, S. 82: „Er kann dem Vorwurfe nicht entgehen, den Ton der Schwärmerei angestimmt und den des sich ergeh enden Wahrheitsfors chers verfehlt zu haben. Jener Ton ist mehr sinnlich als geistig. Lavater, Cramer, Klopstock, Stolberg (die im Grunde keiner liefet, aber von denen man blos durch Blättern angeweht wird)", sind nicht Hennings Geschmack. In scharfen Worten ergeht er sich gegen die „Odendichter". „Das Resultat mutzte gänzliche Ohnmacht zu allem Guten sein. Alles ward excentrisch, jeder aus seinen Angeln gehoben." S. 94 spricht er von einem armen Manne, den alle „Genies umschwärmt und Keiner unterstützt hat." Wahrscheinlich ist hiermit Schiller gemeint, dessen Gönner Graf Schimmelmann Hennings nahe stand. „So auffallend", fährt Hennings fort, „dieses int ganzen ist, so wie das Geniewesen gegen den wahren Adel der Seele oder gegen redliche Tugend wie Flitter-Gold gegen Sonnenglanz absticht, so wahr findet jeder die Bemerkung, der ins Detail des Lebens eines sogenannten Genies hineingehet. Ich will den ersten unter ihnen, Klopstock, zum Beispiel ansühren. Als Mensch, als Bürger, wie unbedeutend! Lavater hat, ich weih nicht was für Grotzes und Erhabenes in seinem Gesichte gefunden, ich sehe in seiner ganzen Bildung nichts wie ausgedunstete Kleinheit und überall verfehlten Flug. In seinen Nüstern, wie Winkelmann sich ausdrückt, sitzt nicht der Stolz des vom Siege zurückkehrenden Apolls, den dieser Kenner der Kunst im Bilde des Pythischen Siegers fand, wohl aber der Stolz kühner Entscheidung und despotischen Ruhmgefühls, das mehr vermessen als siegreich hervorzudringen sucht. Der berühmte Portrait-Mähler Juel") in Kopenhagen hat tu seinem vortrefflichen und sehr ähnlichen Gemälde von Klopstock diesen Ausdruck zu veredeln gesucht, aber ebendaher kann man das Ancirio son pittore nirgends in gröherer Karrikatur finden, als in diesem Bilde. Ich würde dies nicht erwähnen, obgleich die Mode heutiger Zeiten erlaubt, die Gesichter der Gelehrten und anderer bekannten Männer zu zergliedern und zur Schau auszustellen, woferne nicht wirklich Klopstock seine Eitelkeit bis zur Insolenz triebe, und sowohl in seinem Umgänge, als in seinen Schriften dadurch unerträglich würde. Der Weihrauch, den er seit vielen Jahren beständig einatmet, und den seine Freunde mit einer Schmeichelei brennen, die bis zur Einfalt geht, hat seinen Verstand völlig benebelt; wäre dies nicht, wie würde er es wagen, Epigramme ohne Salz und Oden ohne Sinn und Wortverstand drucken zu lassen, die in der Tat jeden anderen Verfasser unwiderruflich um die Achtung des vernünftigen Publikums bringen würden? Sein Epigramm auf Voltaire macht seinem von Neid vergällten Herzen so viel Schande, als seinem Witze wenig *) Ihat übrigens auch Hennings gemalt. 9

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